Das erste Mal belgische Nordseeluft

Anreise

Die Fahrt ins belgische Flachland begann am Montag morgen gegen 9 Uhr. Geplante Reisedauer war ungefähr 5:20 Stunden, durch einen Stau in Höhe Soest auf der A44 verloren wir allerdings fast eine Stunde, sodass wir statt der angepeilten Ankunft um 15:00 Uhr erst um 16:00 in Oostende ankamen – Pausen eingerechnet. Mitten durch das Ruhrgebiet an Dortmund, Bochum, Essen, Mülheim an der Ruhr und Duisburg vorbei erreichten wir bald die deutsch-niederländische Grenze bei Venlo. An einem der ersten Parkplätze hinter der Grenze hielten wir an und atmeten das erste Mal in diesem Urlaub ausländische Luft ein – das Reisefieber stieg.

Weiter an Eindhoven vorbei via A67/E34 passierten wir vor Turnhout die belgische Grenze. Bis Oostende sind es von hier noch knapp 1 Stunde und 50 Minuten, die wir am Stück durchfuhren. Ein Zweifel blieb dann noch im Hinterkopf: die Wettervorhersagen für Oostende sagten unterschiedliches Wetter vorher. Regen, Sonne, Wolken, Schauer – alles war dabei. Wir ließen uns einfach überraschen und vertrauten auf die “ostfriesische Tatsache”: Küste gutes Wetter, Inland schlechtes Wetter.

Super, genau so war es. Kurz vor Oostende waren die Wolkenabstände schon so groß, dass die Sonne längere Zeit durchscheinen konnte. Und in Oostende erwarteten uns noch längere Sonnenabschnitte. Wir steuerten zunächst unsere Ferienwohnung an, in die wir ab 16:00 reinkonnten.

Der Urlaub

Nachdem wir das Auto ausgeladen hatten und uns kurz mit der Wohnung vertraut gemacht haben, konnten wir nicht mehr länger warten und gingen die knapp 200 Meter bis zum Strand. Wir überquerten die Troonstraat und die Haltestelle “Mariakerke Bad” der Kusttram – die längste Straßenbahnlinie der Welt – welche De Panne im Süden von Belgiens Nordseeküste mit Knokke-Heist im Norden verbindet. 68 Kilometer lang ist diese Strecke, an 69 Haltestellen kann ein- und ausgestiegen werden.

Troonstraat und Haltestelle "Mariakerke Bad"

Troonstraat und Haltestelle “Mariakerke Bad”

Typisch für die belgische Nordseeküste sind Hochhäuser direkt am Wasser. In jedem Küstenort gibt es sie. Manchen sieht man ihr Alter von außen an, allerdings gibt es auch moderne. Zum Teil werden in den Küstenorten auch noch neue gebaut oder befinden sich bereits in der Fertigstellung. Einige Wohnungen kann man mieten oder kaufen, wie zum Beispiel die Wohnung mit dem grünen Schild am Balkon im dritten Stock – Meerblick inklusive.

Hochhäuser an der Strandpromenade von Oostende

Typische Ansicht an der Strandpromenaden: große Wohnblöcke

Uns haben die typischen “Strandhäuser” nicht gestört, für uns waren sie sozusagen Teil der belgischen Strandkultur. Wir gingen den Weg zur Strandpromenade hinauf und sahen neben weiteren auch die ersten Strandhütten – weitere typische belgische Strandarchitektur. Über den Dächern begrüßte uns auch schon das erste Mal die Nordsee.

Strandpromenade Oostende

Strandpromenade Oostende

Keine Angst, die Strandpromenade in Oostende besteht nicht nur aus Parkplätzen und Autos. In der Regel sieht sie eher so aus, wie der braun gepflasterte Bereich links im Bild – dort, wo die Dame herläuft. Angesteckt durch Seeluft und Strandfeeling wollten wir nicht länger die Promenade entlang laufen, sondern stürzten uns in Richtung Wasser und Strand.

Doch dann…

Strandbeschilderung

Strandbeschilderung

Gut, wir haben Glück gehabt. Einen Hund haben wir nicht dabei gehabt und schwimmen gehen wollten wir auch nicht. Jedenfalls nicht jetzt. Der farbige Ball im Hintergrund dient zur Orientierung, denn die einzelnen Strandabschnitte haben jeweils unterschiedliche Symbole zur Wiedererkennung.

Übrigens, das unterste Symbol kennzeichnet einen Strand, der nicht überwacht wird. Ein blaues B kennzeichnet einen sicheren Strand mit Überwachung – wir waren außerhalb der Hauptsaison da, so dass wir nur rote Schilder gesehen haben. Dennoch waren einige Schwimmer im Wasser unterwegs.

Dann hieß es auch für uns: Sand!

Strand mit Promenade

Strand und Sand

Die Hütten sind vergleichbar mit einer kleinen Gartenhütte. Man kann sie mieten und in ihnen dann die Strandutensilien aufbewahren, sprich Liegestuhl, Sonnenschirm, Windschutz,… .

Die Ebbe hatte seit geraumer Zeit eingesetzt, weswegen das frische Nordseewasser erst nach kurzem Fußmarsch erreichbar war. Durch den Wind erzeugten die Wellen ein schönes Rauschen…in diesem Moment wurde uns endlich klar: wir sind definitiv an der Küste angekommen.

Strand und Wellen in Oostende

Strand und Wellen in Oostende

Der Blick zurück zeigt den Strand in Richtung Promenade und die dortigen Wohnblöcke, die sich schön im noch feuchten Sand spiegeln.

Blick Richtung Promenade

Blick Richtung Promenade

Unterteilt sind die einzelnen Strandabschnitte durch diese gemauerten und von Algen bewachsenen Wellenbrecher. Schön zu sehen, wie hoch die Flut sonst steigt. Man kann entweder via Treppe oder die Rampe auf diese hinaufsteigen – oder sie vom Sandstrand aus begehen.

Wellenbrecher

Wellenbrecher

Am gesamten Strand bleiben nach der Flut viele Muscheln liegen. Mancherorts sammeln sich besonders viele Bruchstücke. Man sollte möglichst vermeiden, hier barfuss drüber zu laufen, sonst könnte es schmerzhaft werden. Allerdings sind diese Muschelstätten nur in der Nähe der Wellenbrecher zu finden. Trotzdem sieht man sie gerade bei Flut kaum oder nur sehr schwer. Dafür sieht es bei Ebbe sehr schön aus.

Muschelfriedhof

Muschelfriedhof

In unmittelbarer Nähe zum Strand fuhr dieser Fischkutter, welcher kurz zuvor aus dem Hafen ausgelaufen war. Etwas später ließ er in noch recht naher Entfernung zum Strand die Netze ins Wasser. Frische Fischgerichte sind in fast allen Restaurants Oostendes anzutreffen und sollen von sehr guter Qualität sein. Auch andere Meeresfrüchte wie Muscheln oder Garnelen gelten als Spezialitäten.

Fischkutter vor dem Strand

Fischkutter vor dem Strand

Wir wendeten uns wieder der Stadt zu, um uns langsam wieder in Richtung Ferienwohnung zu begeben.

Dieses 17-stöckige Haus beherrscht den Anblick der vielen Wohnblöcke am Strand. Die vielen Hochhäuser haben den Vorteil, dass abends in der Stadt immer etwas los ist. Man hat eine große Auswahl an Restaurants und Kneipen. Ein weiterer Vorteil der Hochhäuser: das Hinterland von Belgien ist dünner besiedelt, sodass hier die Natur noch Raum und Platz für sich hat. Dennoch, wie schon gesagt: uns haben die Häuser nicht im geringsten gestört.

Strandhochhaus

Strandhochhaus

Der Blick entlang der Strandhütten.

Strandhütten am Strand von Oostende

Strandhütten am Strand von Oostende

Bevor wir die Promenade verließen und zurück zur Ferienwohnung gingen, musste noch ein letzter Blick Richtung Hafeneinfahrt sein. Während ein weiterer Fischkutter den sicheren Hafen verlässt, kehrt das Lotsenschiff zurück.

In Belgien ist das Kitesurfing sehr verbreitet. Dabei wird der Sportler auf einem Board von einem Lenkdrachen über das Wasser gezogen. Kitesurfing ist leichter zu erlernen als Windsurfen, gleichzeitig ist die Ausrüstung deutlich günstiger und in Belgien gibt es extra Strandabschnitte, die für Kitesurfer freigegeben sind. Dieser Kitesurfer dreht seine Runden vor dem Strand von Oostende.

Kitesurfer mit Schifffahrtskulisse

Kitesurfer mit Schifffahrtskulisse

Ein weiterer populärer Sport in Belgien beziehungsweise Westflandern ist das Radfahren. Sportler fahren dabei vielleicht weniger mit Fahrrädern wie diesen, aber dennoch sind sie weit verbreitet. Alle größeren Straßen haben extra Radwege an den Seiten und auch Radfahrer dürfen die Zebrastreifen sitzend überqueren – im Gegensatz zu Deutschland, wo das Fahrrad über Zebrastreifen geschoben werden muss.

Das Volkssportgerät in Belgien

Das Volkssportgerät in Belgien

Wenn wir mit der Kusttram gefahren wären, dann wäre das unsere Haltestelle gewesen: Mariakerke Bad.

Haltestelle "Mariakerke Bad"

Haltestelle “Mariakerke Bad”

An einem kleinen Fußweg zu unserer Ferienwohnung befand sich dieses Schild, welches über die Strafen für Hundehinterlassenschaften informiert. Solche Schilder sind in ganz Oostende aufgestellt, und auch im nahen Frankreich fanden wir ein verniedlichtes Schild.

"Oostende, nette stad aan zee"

Nachdem wir uns für den heutigen Tag gestärkt haben, gingen wir zum nächsten und letzten Punkt an unserem ersten Tag in Belgien über. Für 22:07 Uhr war Sonnenuntergang angesagt, sodass wir uns wieder gegen 21:30 auf den Weg machten, um diesen vom Weststaketsel am Montgomerykaai zu beobachten.

Geparkt haben wir am Parkplatz an der Ecke Mijnplein/Nieuwstraat, von wo aus wir Richtung Hafenbecken liefen. Im Montgomerydok befindet sich ein kleiner “Behördenhafen”, in dem die Polizei- sowie Lotsenboote liegen.

Hafenbecken Montgomerydok

Hafenbecken im Montgomerydok

Angrenzend befindet sich der Yachthafen des Royal North Sea Yacht Club in Oostende mit deren Clubhaus in der Bildmitte.

Yachthafen des Royal North Sea Yacht Club

Yachthafen des Royal North Sea Yacht Club

Der Weststaketsel (zu deutsch Westpier) ist eine hölzerne Stegkonstruktion, die 600 Meter ins Meer hineinragt.

Sonnenuntergangsstimmung am Weststaketsel

Sonnenuntergangsstimmung am Weststaketsel

Das Ende des Piers ist nicht nur bei Liebhabern von romantischen Sonnenuntergängen beliebt, auch Angler versuchen hier in den Abendstunden ihr Glück.

Angler am Weststaketsel

Angler am Weststaketsel

Während die Fische noch immer nicht angebissen haben, versank die Sonne langsam in der Nordsee – zumindest augenscheinlich. Am nächsten Morgen sollte sie auf unserem nächsten Ausflug unser stetiger Begleiter sein.

Hinterm Horizont: Schiff und Sonne

Hinterm Horizont: Schiff und Sonne

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