Travemünde – Vor der Vorderreihe an der Trave

Vom Norden sollte es am dritten Urlaubstag mal in den Süden gehen: Travemünde war unser auserkorenes Ziel. Der Lübecker Stadtteil wurde von Thomas Mann in seinen “Buddenbrooks” erwähnt und vermittelt mit seiner langen Promenade direkt an der Trave ein wirklich maritimes Flair – viele Segelschiffe und Boote unterstreichen das. Das klare Ostseewasser lässt einen auch an weit entfernte Ziele am Meer denken. Umso schöner, dass solch Wasser fast schon direkt vor der eigenen Haustür zu finden ist!

01. Oktober – Tag 3 von 6

Nach einer schön durchschlafenen Nacht wurden wir vom Sonnenschein geweckt, der durch die Vorhänge ins Schlafzimmer schien. Ein schöner Morgen, denn bei Sonne aufzustehen macht doch gleich doppelt Spaß.

Nach dem Frühstück zogen wir erst einmal los, um auf der Seebrücke bis ganz nach vorne zu laufen. Von unserer Ferienwohnung waren es gut 100 Meter bis zum Strand, weitere 300-400 Meter mussten wir dann noch zurücklegen, um auf die 330 Meter lange Seebrücke zu gelangen, die 1979 eröffnet wurde. Unsere Ferienwohnung war übrigens im Haus ganz links mit den roten Dächern.

Blick von der Seebrücke Richtung Strandpark

Blick von der Seebrücke Richtung Strandpark

Der Blick in die andere Richtung, wo sich die Einfahrt zum Großenbroder Binnensee befindet. Insgesamt ist der Südstrand rund 1,5 Kilometer lang – schön zum Spazieren gehen und Meer genießen!

Großenbroder Südstrand

Großenbroder Südstrand

Wir hielten uns ein paar Minuten vorne an der Seebrücke auf und saßen dabei windabgewandt auf einer Bank. Die Sonne wärmte uns ein wenig mit ihren Strahlen und wir lauschten dem Plätschern des Wassers. Da wir noch weiter nach Travemünde wollten, hielten wir uns aber hier nicht zulange auf. Denn nach Travemünde mussten wir rund eine Stunde Autobahn fahren. Um nicht allzu viel Zeit zu verlieren, gingen wir die Seebrücke zurück und huschten noch einmal durch den Sand bis ans Wasser vor.

Seebrücke Großenbrode

Seebrücke Großenbrode

Aus knapp 2 Metern über Ostseeniveau fällt das klare Wasser der Ostsee sofort auf. Zeitweise hatten wir das Gefühl, uns überhaupt nicht in Deutschland zu befinden. Dafür war das Wasser einfach viel zu klar.

Klares Ostseewasser

Klares Ostseewasser

Trotz Nebensaison standen noch viele Strandkörbe am Strand herum, obwohl die Strandkorbvermietungen schon alle geschlossen hatten (sah zumindest so aus). Aber uns sollte das egal sein, denn Strandkörbe sind ein bei uns beliebtes Fotomotiv.

Südstrand mit Strandkörben

Südstrand mit Strandkörben

Bevor wir zurück zur Ferienwohnung gingen, noch ein letzter Blick zur Seebrücke und der Ostsee.

Seebrücke im Gegenlicht

Seebrücke im Gegenlicht

In der Ferienwohnung packten wir noch kurz die Sachen zusammen, bevor wir uns auf den Weg Richtung Travemünde machten. Das Wetter blieb die ganze Fahrt über weiterhin sonnig und schön, einzig eine langgezogene Baustelle von fast 10 Kilometern Länge wegen Austausch der Leitplanken zog sich wie Kaugummi. Aber immerhin hatten wir freie Fahrt und dank wenig Verkehr war auch nicht die Spur eines Staus zu sehen.

In Travemünde angekommen gab es zunächst einen kurzen Kampf mit dem Parkscheinautomaten, den wir (leider) gewonnen haben. Parkscheibe wäre uns zwar lieber gewesen, aber drei Euro für ein Tagesticket fanden wir mehr als gerecht. Gibt Orte, wo man für drei Euro gerade Mal eine Stunde parken “darf”.

Mittlerweile war es rund 12.30 Uhr, sodass sich wieder einmal der Hunger zu Wort meldete. Wir hatten uns vorher schon über Gastronomietipps informiert, sodass wir auch direkt in das “marina travemünde” steuerten. Die Karte versprach eine leckere Auswahl bei bestem Blick auf die Trave und die “Passat“, eine alte Viermastbark aus dem Jahre 1911.

Wir bestellten Currywurst mit Pommes in Sternequalität sowie selbstgemachten und schön locker-luftigen Flammkuchen. Schönes Ambiente mit leckerem Essen, dazu gar nicht mal so teuer.

Eigentlich sollte um 13 Uhr ein größeres Frachtschiff aus dem Travemünder Hafen auslaufen, sodass wir uns auf den Weg Richtung Hafeneinfahrt machten. Immer zurückblickend, ob es schon kam, liefen wir entlang der Trave.

Dabei die, ich nenne es mal, “Travemünder Trinitatis”: historischer Rettungsschuppen der DGzRS, der 35m hohe Alte Leuchtturm sowie das 119m hohe maritim-Strandhotel.

Rettungsschuppen, Alter Leuchtturm sowie maritim-Strandhotel Travemünde

Rettungsschuppen, Alter Leuchtturm sowie maritim-Strandhotel Travemünde

Fast gegenüber befindet sich die 105,4 Meter lange “Passat”, die zunächst als Frachtsegler zwischen Europa und Südamerika eingesetzt wurde. In den 1950er wurde es als Frachtsegelschulschiff verwendet, bis es 1957 als nicht mehr rentabel außer Dienst gestellt wurde. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Lübeck das Schiff und setzte es ab 1960 als stationäres Museumsschiff, Jugendherberge und Veranstaltungsort ein. Seit 1978 steht die “Passat” unter Denkmalschutz und ist das Wahrzeichen von Travemünde.

Viermastbark "Passat"

Viermastbark “Passat”

Ein paar Meter weiter tat sich plötzlich etwas auf dem Wasser: ein oranges Lotsenboot legte ab und fuhr in Richtung der großen Hafenanlagen. Für uns ein Zeichen: da muss gleich was größeres vor unserer Nase entlang fahren. Noch sahen wir allerdings nichts.

Von diesem Anleger, an dem auch die “Hans Ingwersen” (Länge 9,41m, Breite 3,61m, Tiefgang 0,96m, Baujahr 2000) liegt, legte kurz zuvor das Lotsenboot ab.

Seenotrettungsboot und Lotse am gemeinsamen Anleger

Seenotrettungsboot und Lotse am gemeinsamen Anleger

Die Lotsen werden von der Revierzentrale Travemünde koordiniert, die auch den Fährverkehr von und nach Skandinavien von hier aus überwachen. Mit den Radaranlagen wird die Lübecker Bucht sowie der Nahbereich im Auge behalten.

Revierzentrale Travemünde

Revierzentrale Travemünde

Am klaren Wasser der Hafeneinfahrt fühlt sich auch die Fauna wohl: drei Schwäne genießen die Sonnenstrahlen an ihrem eigenen kleinen Strand.

Schwäne an der Trave

Schwäne an der Trave

Dieser Blick ließ uns ein wenig ins Nachdenken geraten: sind wir wirklich an der Ostsee gelandet, oder befinden wir uns doch eher in südlicheren Gefilden? Das Wasser ist hier am Strand von Travemünde wie schon an den anderen Stellen, an denen wir waren, einfach richtig schön klar.

In der Bildmitte erkennt man einen Teil des Brodtener Ufers – eine über vier Kilometer lange Steilküste zwischen Travemünde und Niendorf. Teilweise ist sie bis zu 20 Meter hoch. Der Sand von Abbrüchen der Steilküste verteilt sich auf Grund der Strömung Richtung Norden nach Scharbeutz, Timmendorfer Strand und Niendorf, in Richtung Süden nach Travemünde und bildet dort jeweils die Strände. Allerdings werden auch die Fahrrinnen der Trave zugesetzt, sodass diese freigebaggert werden müssen.

Brodtener Ufer

Brodtener Ufer

In der Lübecker Bucht herrscht bei diesem tollen Wetter reger Schiffsverkehr in Form von Segelyachten und kleinen Ausflugsschiffen. Aus der Ferne, Richtung Skandinavienkai im Travemünder Hafen, war allerdings noch immer kein großes Schiff zu sehen. Unterdessen steuerte die “Holstentor I” Travemünde an.

"Holstentor I"

“Holstentor I”

In der Hoffnung, von einem erhöhten Punkt das große Schiff sehen zu können, gingen wir zum nahegelegenen Alten Leuchtturm Travemünde. Aus rund 30 Metern Höhe sollten wir doch bestimmt etwas sehen, denn das Leuchtfeuer ist auf der selben Höhe wie die Aussichtsplattform. Allerdings ist er nicht mehr im Dienst, sondern wurde 1972 abgeschaltet. Ersetzt wurde er durch das Leuchtfeuer auf dem maritim-Strandhotel in unmittelbarer Nähe, welches seit 1974 aus 114 Metern Höhe eine Reichweite von 18 Seemeilen (rund 33 Kilometer) erzielt.

Der älteste Leuchtturm Deutschlands

Der älteste Leuchtturm Deutschlands

Im Eingangsbereich des ältesten Leuchtturms Deutschlands (1539 erbaut) erfuhren wir dann allerdings, dass das Schiff, welches schon längst ausgelaufen sein sollte, wohl gar nicht im Hafen lag. Auf einer Karte, die mittels Beamer an die Wand geworfen wurde, hatte der dort sitzende “Leuchtturmwärter” die Hafenkarte aufgerufen (ähnlich wie marinetraffic.com). Der Frachter war dort allerdings nicht verzeichnet gewesen. Egal, aus rund 30 Metern Höhe hat man immer einen guten Ausblick und wir stiegen die 142 zum Teil steilen Stufen hinauf. In den Zwischengeschossen erfuhren wir einiges über die Leuchtturmgeschichte an der Küste sowie die alte Technik.

Oben angekommen verschnauften wir erst einmal kurz und atmeten Lübecker “Höhenluft”.

Blick auf die Trave

Blick auf die Trave

Der schmale Rundgang führt einmal komplett um den Turm herum. Wir hatten einen Zeitpunkt abgepasst, an dem recht wenig Besucherverkehr auf dem Leuchtturm war und konnten in Ruhe Fotos machen.

Mittlerweile war auch das zuvor fehlende Lotsenboot wieder an seinem Liegeplatz angekommen. Gegenüber ist der Priwall zu sehen, dessen östliches Ende der Halbinsel die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern markiert. Früher war an dieser Stelle die innerdeutsche Grenze mit Wachturm.

Hafeneinfahrt von Travemünde

Hafeneinfahrt von Travemünde

maritim-Strandhotel

maritim-Strandhotel

Den nächsten Tagesabschnitt, die Vorderreihe mit der Fußgängerzone direkt am Wasser, konnten wir von hier aus gut sehen. Auch wenn es schon etwas her ist, dass ich in der Schule “Buddenbrooks” von Thomas Mann gelesen habe, so musste ich bei dem Anblick gleich daran denken – so ähnlich habe ich mir die Häuser auch vorgestellt.

Im Vordergrund ist das Gebäude vom Lübecker Yacht-Club zu sehen, in dem sich das marina travemünde befindet.

Blick zur Vorderreihe

Blick zur Vorderreihe

Die im Gegenlicht liegende “Passat”, welche im ehemaligen U-Boothafen auf dem Priwall liegt.

"Passat" vom Alten Leuchtturm ausgesehen

“Passat” vom Alten Leuchtturm ausgesehen

Nach dem Abstieg liefen wir dann in Richtung Vorderreihe. Am Ende der Travepromenade gönnten wir uns jeweils eine Kugel Eis, welches auch andere Touristen bei strahlend blauem Himmel genossen. Immer im Blick dabei: die Trave – vielleicht kommt ja doch noch ein großes Schiff vorbei.

Am heutigen Morgen hatten wir noch unsere Kurtaxe bezahlt (nur einen Tag, da ab Oktober keine Kurtaxe mehr nötig ist) und einen Flyer vom Café Niederegger aus Lübeck mitgenommen. Ohne weiter drauf zu achten standen wir in der Vorderreihe genau vor einem der insgesamt drei Cafés. Niederegger ist der führende Hersteller von Lübecker Marzipan und existiert bereits seit 1806.

Obwohl wir kurz zuvor bereits ein Eis hatten, konnten wir der Auswahl nicht widerstehen und könnten uns eine Kugel Champagner-Eis. Dabei war der Preis gar nicht mal teurer als für eine “normale” Kugel und schmeckte tatsächlich nach Champagner. Lecker!

Vorderreihe Travemünde mit maritim-Strandhotel

Vorderreihe Travemünde mit maritim-Strandhotel

Wie bereits im Post “Ist es die da, die da, die da oder die da?” vom 6. Juni erwähnt lieben wir einfach das Wasser, egal ob als Meer oder Fluss. So kam es dann auch, dass ich mich mal wieder kurz Richtung Wasser begab und die “Passat” ablichten musste – aber auch andere kleinere Boote schafften es auf das Bild. Mittlerweile hatte ich schon die Hoffnung aufgegeben, dass wir ein großes Schiff zu Gesicht bekommen.

Glückliche Entenfamilie

Glückliche Entenfamilie

Doch plötzlich sahen wir es: ganz langsam schob sich die “Helena” (Länge 169m, Breite 26m, Tiefgang 6,4m, Baujahr 1991) mit Heimathafen Göteborg vor der Vorderreihe von Travemünde her. Auf einem Steg schauten wir wie andere Touristen zu, wie die RoRo (Roll On, Roll Off)-Fähre Richtung Lübecker Bucht fuhr.

RoRo-Fähre "Helena" verlässt Travemünde

RoRo-Fähre “Helena” verlässt Travemünde

Doch damit nicht genug, denn kurz darauf verließ gleich das nächste Schiff den Hafen: die “TransPaper” (Länge 190m, Breite 26m, Tiefgang 6,6m, Baujahr 2006) folgte der “Helena”.

"TransPaper" auf der Trave

“TransPaper” auf der Trave

Damit hatten wir doch noch unser großes Schiff gesehen und konnten nach einem schönen und sonnigen Tag zurück Richtung Großenbrode fahren. Wir hielten noch kurz in Niendorf (Ostsee), dessen Hafen als einer der schönsten entlang der Küste gilt. Das konnten wir bestätigen, der neu gestaltete Hafen kommt mit einem modern-maritimen Flair daher und das Wasser ist so klar, dass man den Hafengrund sehen konnte.

Einer der schönsten Häfen an der Küste: Niendorf (Ostsee)

Einer der schönsten Häfen an der Küste: Niendorf (Ostsee)

Von Niendorf aus fuhren wir entlang der Küste zurück Richtung Autobahn, machten aber noch einen weiteren Zwischenstopp am Meer: am Strand zwischen Scharbeutz und Timmendorfer Strand, wo wir auf das Meer und die Neustädter Bucht im im Lichte der langsam untergehenden Sonne schauten.

Timmendorfer Strand ist wie man richtig assoziiert ein Nobelort: von prächtigen Villen, Strandhäusern, Hotels und Restaurants bis hin zu Luxusautos wie zwei geparkten Ferraris kann man hier einiges der Luxusklasse sehen. Wirklich ein klasse Tagesabschluss!

Neustädter Bucht mit Scharbeutzer Seebrücke

Neustädter Bucht mit Scharbeutzer Seebrücke

2 Kommentare

  1. Deine Empfindungen kann ich vollkommen nachvollziehen – gleiches kann ich quasi 1 zu 1 von Usedom berichten. Die Motive ähnlich und genauso schön, und doch hat jeder Strand, jede Seebrücke und jeder Hafen einen eigenen besonderen Charme.
    Gefällt mir gut – ganz besonders in bzw. auf der Seebrücke finde ich mich wieder. Da habe ich mich auch sehr gern aufgehalten.

    LG Christina

    • travelpicture24 Okt 14, 2012, 19:42

      An den Küsten müssen wir einfach in jeden Hafen, auf jede Seebrücke, an jeden Strand…zu groß die Faszination des Wassers und des Meeres. Eine tolle Seebrücke wird noch folgen…aber den Bericht muss ich noch schreiben :-) Ich finde es auch gut, dass es Seebrücken (fast?) nur an der Ostsee gibt – grenzt sich so touristisch von der Nordsee ab.

      Viele Grüße,
      Alex

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