Heiligenhafen – steil und historisch

Bei trübem, aber trockenem Wetter begann unser vierter Urlaubstag – wie schon die andern Tage zuvor – am Wasser. Doch nicht in Großenbrode, sondern rund acht Kilometer entfernt in Heiligenhafen. Heiligenhafen ist so etwas wie die “Mutter” von Großenbrode, da hier deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind und der Hafen kein reiner Yachthafen ist, sondern auch einige Fischereifahrzeuge beherbergt.

02. Oktober 2012

Der langgezogene Ostseestrand mit feinem Sand und vom Wasser angeschwemmten kleinen Steinen wurde im Juni 2012 touristisch aufgewertet: auch Heiligenhafen bekam eine Seebrücke. Aber nicht irgendeine, sondern eine Erlebnis-Seebrücke. Der Unterschied zu herkömmlichen: es gibt verschiedene Bereiche auf der Brücke, die im Zick-Zack ins Meer hinausführen. Kinderspielbereiche, öffentliche Toiletten, verglaste Bereiche, Bade- sowie Sitz- und Liegemöglichkeiten heben sie von anderen Seebrücken wie der in Großenbrode ab.

Seebrücke Heiligenhafen vom Strand aus

Seebrücke Heiligenhafen vom Strand aus

Zunächst sind wir ein wenig durch den Sand gestapft, bevor wir zurückgingen und die Brücke betraten. Ziemlich am Anfang ist ein kleiner Kinderspielbereich, der uns nicht so sehr interessierte wie das, was wir an einem Metallzaun sahen: Liebesschlösser!

Liebesschloss am Fehmarnsund

Liebesschloss am Fehmarnsund

Ein weiterer Abschnitt der Brücke ist wieder den Kindern gewidmet: neben einem überdimensionalen Hamsterrad gibt es einen Wasserspielplatz, der auch in unserem Alter noch immer Faszination ausübt.

Hamsterrad auf der Erlebnis-Seebrücke Heiligenhafen

Hamsterrad auf der Erlebnis-Seebrücke Heiligenhafen

Nach einer kurzen Pause im überdachten Teilstück liefen wir bis ans Ende Seebrücke. Im verglasten Teil können auch Veranstaltungen wie Hochzeiten stattfinden. Einige Paare haben diese Möglichkeit bereits wahrgenommen und sind auf einer Tafel mit Hochzeitsdatum verewigt worden.

Der am weitesten vom Festland entfernt liegende Seebrückenteil dient der Erholung und dem Sport: von hier aus gelangt man über einen kleinen Steg in das frische Ostseewasser um hier seine Runden zu drehen. Wer lieber entspannen möchte, kann auf hölzernen Liegen (wirklich bequem!) in die Sonne legen – was bei uns aber leider nicht der Fall war.

Das Ende der Seebrücke

Das Ende der Seebrücke

Wir verließen die Seebrücke wieder und steuerten unser nächstes Ziel an: die Steilküste von Heiligenhafen. Eigentlich dachten wir, dass hier wenig los sein würde – weit gefehlt. Bei langsam durchkommenden Sonnenschein liefen und fuhren weitere Touristen hierhin. In unmittelbarer Nähe steht ein Warnfeuer der Bundesmarine, welches den Schießbetrieb in den Warngebieten Todendorf und Putlos anzeigt.

Direkt an der Steilküste wird die Erosion durch die Ostsee deutlich: eingestürzte Gemäuer und deutlich erkennbare Abbruchkanten sind sichtbar.

Steilküste Heiligenhafen

Steilküste Heiligenhafen

Erosion und Abbruchkante

Erosion und Abbruchkante

Der Strand selber ist von vielen Steinen gesäumt, die durch die anrollenden Ostseewellen bereits rund geschliffen sind. Mittlerweile kommt auch in kurzen Abschnitten immer wieder die Sonne heraus und wir machen uns – weil sich so langsam der Hunger zu Worte meldet – wieder zurück Richtung Heiligenhafen.

Strand bei Heiligenhafen

Strand bei Heiligenhafen

Sieht aus wie ein Puzzle – ist aber in Wirklichkeit der Sand an einer bereits abgebrochenen Kante der Steilküste. Die einzelnen Felder lassen sich ohne großen Aufwand herausnehmen.

Abbruchkante Steilküste Heiligenhafen

Abbruchkante Steilküste Heiligenhafen

Während wir am Wasser entlang liefen, war in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder ein Grollen zu hören. Was es war blieb für uns ein Rätsel. Erst zuhause kamen wir auf die Lösung, denn der Leuchtturm war ausschlaggebend hierfür: wenn das Warnfeuer bestimmte Lichtsignale (bei uns war regelmäßig rotes Licht zu sehen) sendet, dann bedeutet das: Schießbetrieb!

Von der Steilküste ging es nun in den kleinen und beschaulichen Hafen von Heiligenhafen. Im Grunde genommen existieren zwei Häfen: ein kleinerer mit Fischerbooten und Behördenfahrzeugen und ein großer mit vielen, vielen Segelschiffen und Motorbooten – hier befindet sich die größte Charterflotte der Ostsee.

Angefangen haben wir im kleineren Hafen, wo einen Tag später die Kohlregatta beginnen sollte. Früher wurden von Fehmarn aus die geernteten Kohlköpfe nach Heiligenhafen gebracht. Als Erinnerung hieran wurde 1999 die Kohlregatta erfunden. Die Teilnehmer müssen zur Wendemarke vor dem Hafen fahren, einen Kohlkopf übernehmen und zurück im Hafen die Ziellinie überqueren.

Während dieses Spektakels beteiligen sich historische Schiffe an der Veranstaltung und nehmen Gäste zu kurzen Rundfahrten vor der Küste mit, bevor am Veranstaltungstag die eigentliche Regatta startet. Die verwendeten Kohlköpfe werden später zu leckeren Gerichten verarbeitet.

Zunächst lief die “Marco Polo” (Länge 28,50m, Breite 5,90m, Tiefgang 2,90m, Baujahr 1944) ein. Gebaut wurde es als englisches Admiralitätssschiff in Schottland. 1991 folgte ein Umbau, um es von nun an als Charterschiff vermieten zu können. Der Liegehafen des Schiffes ist heute Lübeck.

"Marco Polo" läuft in Heiligenhafen ein

“Marco Polo” läuft in Heiligenhafen ein

Zahlreiche Touristen und Einheimische verfolgten das Eintreffen der historischen Segelschiffe, die zur Kohlregatta im Hafen anlegten.

Beliebtes Fotomotiv: die "Marco Polo"

Beliebtes Fotomotiv: die “Marco Polo”

Für die Sicherheit zuständig zeigt sich die “Heiligenhafen” (Länge 9,41m, Breite 3,61m, Tiefgang 0,96m, Baujahr 2000) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, welche an der gegenüberliegenden Hafenseite ihren Liegeplatz hat.

Seenotrettungsboot "Heiligenhafen"

Seenotrettungsboot “Heiligenhafen”

Nicht weit vom Seenotrettungsboot entfernt machten es sich einige Enten gemütlich, die hier ihren frühen Nachmittagsschlaf hielten.

Pause für die Enten am Hafen von Heiligenhafen

Pause für die Enten am Hafen von Heiligenhafen

Hinter einem Gebäude beginnt dann das Mekka für Segler und Motorbootfans: die größte Charterflotte an der Ostseeküste im Marina Heiligenhafen. Unzählige Boote warten darauf gechartert zu werden. Einige sind auch käuflich zu erwerben – mal zu Preisen eines Kleinwagens, mal zu Preisen eines Einfamilienhauses.

Marina Heiligenhafen

Marina Heiligenhafen

Mitten im Mastenmeer: ein Skipper

Mitten im Mastenmeer: ein Skipper

Langsam näherte sich der Zeiger 15.30 Uhr – laut eines Reiseführers aus unserer Ferienwohnung sollten zu diesem Zeitpunkt die Fischkutter ihren Heimathafen wieder anlaufen, den sie früh am morgen verlassen haben. So sollte es auch sein, und den Anfang machte die “Hai IV(Länge 22,57m, Breite 6,39m, Tiefgang 2,51m), ein Hochseeangelschiff welches im Jahre 1943 vom Stapel gelaufen ist. Seit 1976 führt es Hochseeangelfahrten durch.
"Hai IV" nach einer Hochseeangelfahrt

“Hai IV” nach einer Hochseeangelfahrt

Wenig später trifft die “Tanja(Länge 24,00m, Breite 7,00m) nach einer gut achtstündigen Hochseeangelfahrt ein, während eines der historischen Schiffe zu einer kurzen Rundfahrt hinausfährt.

"Tanja"

“Tanja”

Nach der “Tanja” folgten die “Klaus Peter” …

"Klaus Peter"

“Klaus Peter”

…und die “Ostpreussen I“.

"Ostpreussen I" in der Hafeneinfahrt

“Ostpreussen I” in der Hafeneinfahrt

Nicht lange danach läuft auch die “Einigkeit” wieder in Heiligenhafen ein.

Auch die "Einigkeit" war mit Anglern unterwegs auf der Ostsee

Auch die “Einigkeit” war mit Anglern unterwegs auf der Ostsee

Mit dem Auto fuhren wir nun wieder zurück Richtung Seebrücke, um dort ein wenig am Strand entlang Richtung Graswarder zu laufen. Graswarder ist eine langgestreckte Halbinsel vor Heiligenhafen und beherbergt ein rund 230 Hektar großes Naturschutzgebiet. Entlang der schmalen Halbinsel stehen einige reetgedeckte Häuser, die nach einigen Stellen auf Sylt als teuerstes Wohngebiet Schleswig-Holsteins gelten – allerdings auch als infrastrukturschwächstes.

Vom Strand aus blickt man in den Fehmarnsund und auf den “Kleiderbügel” – die Fehmarnsundbrücke.

Blick von Graswarder Richtung Fehmarnsund

Blick von Graswarder Richtung Fehmarnsund

In die entgegengesetzte Richtung zeigt sich die Erlebnis-Seebrücke mit ihren 435 Metern Länge.

Erlebnis-Seebrücke Heiligenhafen vom Graswarder Strand

Erlebnis-Seebrücke Heiligenhafen vom Graswarder Strand

Graswarder ist mit seinen bunten und reetgedeckten (Fachwerk-)Häusern ein beliebtes Fotomotiv. Der Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin lohnt sich nicht nur wegen der seltenen Tier- und Pflanzenwelt, auch der Blick von hier auf die Ostsee ist klasse.

Graswarder Wohnhäuser

Graswarder Wohnhäuser

Halbinsel Graswarder bei Heiligenhafen

Halbinsel Graswarder bei Heiligenhafen

An einem Durchgang zum asphaltierten Weg verließen wir den Strand und gingen wieder zurück Richtung Auto. Die andere Seite der Halbinsel zeigt sich grün bewachsen und als Heimat vieler geschützter Tiere. Im April und Mai ist das Naturschutzgebiet Zufluchtsort für rund 40 verschiedene Vogelarten. Führungen werden ebenfalls von April bis Oktober angeboten.

Binnenseite vom Naturschutzgebiet Graswarder

Binnenseite vom Naturschutzgebiet Graswarder

In Heiligenhafen kauften wir dann noch ein wenig für unser Abendessen ein. Das nahe gelegene Dänemark hat auch hier seine Schatten vorausgeworfen: genau wie in Burg auf Fehmarn gibt es hier einen Fleggaard – ein dänischer Supermarkt, in dem vorwiegend Alkoholika angeboten werden. Wir entschieden uns für ein kleines Fläschen Wein, sonst kauften wir dort nichts. Eigentlicher Grund war einfach nur der Laden an sich, weil er sich interessant anhört und ein Gefühl von Ausland vermittelt.

Von Heiligenhafen aus fuhren wir nun zurück zur Ferienwohnung in Großenbrode und wärmten uns erst einmal wieder auf. Einzig zum Sonnenuntergang in der Marina Großenbrode verließen wir sie noch einmal. Wir waren uns zwar nicht sicher, ob wir das gewünschte Fotomotiv bekommen sollten – doch das Glück war uns hold und sowohl die Bewölkung als auch die Richtung des Sonnenunterganges spielte mit. Damit klang für uns ein weiterer schöner Tag an der Ostsee aus.

Sonnenuntergang in Großenbrode

Sonnenuntergang in Großenbrode

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