Der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe

Samstag Morgen, die Sonne lacht vom blauen Himmel herab. Gute Voraussetzungen für einen Ausflug – der letzte ist mit Frankfurt am Main schließlich schon rund zweieinhalb Monate her. Da kommt das Wetter gerade recht und auch das Wochenende. Nach Tagen voller Lernstress endlich wieder ein Moment zum Durchatmen. Und der soll genutzt werden! Das Ziel ist eigentlich noch unklar und ich bin mir unschlüssig wo es hingehen soll.

Doch am Freitag Abend wirft meine Freundin spontan einen Einfall in die Runde, mit dem ich nicht gerechnet habe. Kein weit entfernter Ort, sondern einer in der Nähe. Trotz einer geringen Anfahrtszeit von rund 40 Minuten war ich noch nie dort, wohl aber schon etliche Male in wenigen Kilometern Entfernung daran vorbei gefahren.

Die Rede ist vom Herkules bei Kassel, quasi das Wahrzeichen der Stadt. Der Herkules ist eine 8,25  Meter hohe Kupferstatue im Bergpark Wilhelmshöhe an der Spitze einer Pyramide, die auf dem Oktogon (Riesenschloss) steht. Heute ist das gesamte Bauwerk als “Herkules” bekannt. Insgesamt ist das Bauwerk 70,50 Meter hoch, wovon 32,65 m auf das Oktogon entfallen und 29,60 m auf die Pyramide. Im Inneren des Oktogons befindet sich ein achteckiger Hof mit Wasserreservoir.

Der Herkules ist wegen seiner Beschaffenheit aus Tuffstein häufig renovierungsbedürftig: Wasser dringt in die oberen Schichten ein; bei Frost wird das Gestein dann abgesprengt. In den letzten Jahre wird die Statue und das Fundament daher regelmäßig wieder in Schuss gebracht. Im Jahre 1717 wurde die über Kassel schauende Kupferfigur von Johann Jacob Anthoni vollendet und zeigt einen sich erholenden Herakles. In der rechten Hand hält er dabei die Äpfel der Hesperiden, mit der linken Hand stützt er sich auf seine Keule.

Herakles’ Blick reicht dabei weit in den Osten über die Stadt Kassel, bis hin zum Hohen Meißner im Werra-Meißner-Kreis am Horizont.

Rückansicht Herkules

Rückansicht Herkules

Herkules von unten

Herkules von unten

Wie ihr mittlerweile sicherlich wisst liebe ich Ausblicke und Aussichten von hoch oben. Nachdem ich letztes Mal all meinen Mut zusammen nehmen musste, blieb ich heute mit meiner Freundin auf dem Boden der Tatsachen. Von der Ostseite des Herkules genießt man einen schönen Blick über die größte nordhessische Stadt. Auf dem Weg von Hessisch Lichtenau nach Hause habe ich den Bergpark Wilhelmshöhe zwar schon oft gesehen – aber irgendwie noch nie daran gedacht, hier einmal hinzufahren. Bis jetzt :-)

Blick über Kassel

Blick über Kassel

Alleine schon der Ausblick ist jeden Besuch wert. Das haben nicht nur wir uns gedacht, auch die anderen Besucher stehen am Geländer und lassen den Blick in die Ferne schweifen. So grau Kassel auch von unten wirkt, umso schöner sieht Kassel von hier oben aus. Ein weiterer Besuch ist quasi schon vorprogrammiert: ab Mai eines jeden Jahres plätschern die Wasserspiele die Kaskaden ins Tal hinab. Von der Vexierwassergrotte bis zum Neptunbecken sind es 320 Meter, vom Oktogon bis zum Neptunbecken an die 400 Meter.

Gespeist werden die Kaskaden vom Sichelbachbecken, welches sich rund einen Kilometer Luftlinie vom Herkules entfernt befindet. Es wurde bereits kurz nach 1700 errichtet, um die Kaskaden mit Wasser versorgen zu können und fasst 40.000 Kubikmeter Wasser.

Kaskaden im Winter

Kaskaden im Winter

Kassel selber mit seinen rund 197.000 Einwohnern umfasst ein Gebiet von fast 107 Quadratkilometern. Der Großteil hiervon lässt sich vom Fuße der Plattform überblicken. Vom Herkules aus gesehen liegt das Schloss Wilhelmshöhe und die Wilhelmshöher Allee in einer Achse.

Schloss Wilhelmshöhe mit Wilhelmshöher Allee

Schloss Wilhelmshöhe mit Wilhelmshöher Allee

Schloss Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe

Von der Rückseite des Herkules sieht noch nicht so viel nach Baustelle und Sanierung aus, die Vorderseite dafür umso mehr. Seit Herbst 2005 finden regelmäßige Sanierungsarbeiten statt. Die größte Baustelle, die ich noch in Erinnerung habe, ist zu unserem Glück nicht mehr vorhanden. Vor einiger Zeit war auch die komplette Kupferstatue in ein Gerüst eingehüllt, der Kopf war demontiert und konnte im Schloss Wilhelmshöhe besichtigt werden. Heute, an diesem sonnigen Samstag, ist aber nur die Plattform von einem Gerüst umgeben und einzelne Abschnitte sind mit Bauzäunen abgesperrt.

Baustelle am Herkules

Baustelle am Herkules

Die Herkules-Statue auf der Pyramide

Die Herkules-Statue auf der Pyramide

1696 begann der Bau des Bergparks Wilhelmshöhe. Die Erweiterung des Parks dauerte insgesamt über 150 Jahre. Im Vergleich zu anderen Bergparks Europas braucht sich dieser nicht zu verstecken: italienische Barockgärten sind in Terrassenform an Hängen angelegt, jedoch nicht in solch einem Ausmaß wie der bei Kassel (2,4 Quadratkilometer – was 350 Fussballfeldern entspricht). Französische Gärten sind stets in einer Ebene angelegt und der Bergpark Wilhelmshöhe entspricht in seiner Form eher der eines englischen Landschaftsgartens – und ist damit einzigartig in Europa.

Im Bergpark Wilhelmshöhe gibt es mehrere Gebäude – eines der offensichtlichsten ist die Löwenburg. Sie wurde 1793 bis 1800 im romanischen Stil erbaut und steht im südlichen Teil. Dem Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen Kassel (ebenfalls Bauherr) diente sie als privater Rückzugsort und Grabstätte. Sie ist eine Nachahmung von mittelalterlichen englischen Ritterburgen und bewusst im Design einer verfallenen Ruine gehalten.

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Wir wagen uns ein paar Treppenstufen hinab, immer dicht an der Wand entlang – zumindest dort, wo noch Schnee und Eis auf den Stufen liegen. Beim Hinabsteigen fällt uns erst einmal auf, dass recht viele Besucher hier am verschneiten Herkules sind. Einige Kinder rutschen den Grashang neben den Treppen mit Schlitten hinab, andere laufen die zahlreichen Stufen von unten bis oben und kommen leicht verschwitzt an ihrem Ziel an. Den Weg nach unten ersparen wir uns auf Grund des Schnees jedoch und heben uns das für einen späteren Zeitpunkt auf.

Blick zum Gipfel

Blick zum Gipfel

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Riesenkopfbecken

Riesenkopfbecken

Vom Herkules aus soll der Ausflug nun weiter in Richtung Kassel gehen. Wir steigen also die Treppenstufen wieder hinauf, begegnen anderen Besuchern und Touristen (unter anderem aus Japan und Frankreich) sowie dieser kleinen Raupe auf dem angebrannten Griff einer Fackel.

Raupe am Herkules

Raupe am Herkules

Wieder am Parkplatz angekommen setzen wir uns ins Auto und fahren ins Tal hinab Richtung Innenstadt. Ziel: das Parkhaus von Galeria Kaufhof, unserem “Stammparkplatz” in Kassel. Bei Nordsee gibt es Fish & Chips sowie eine kleine Pause im Warmen, bevor es noch kurz zum Stöbern durch die Geschäfte geht. Mit einem Himbeer-Johannisbeer-Frappuccino und einer Vanilla Latte von Starbucks in den Händen begeben wir uns nach kurzem Aufenthalt wieder gen Galeria Kaufhof – der Heimweg steht an.

Kunsthalle Fridericianum

Kunsthalle Fridericianum

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