Von Enttäuschung und einer geplatzten Überraschung

Es war ein ganz normaler Wochentag, ich saß gerade beim Frühstück und auf Hitradio FFH lief Musik. Dann, kurz vor halb, kam Werbung. Mit dabei: eine Vorankündigung für das Wolkenkratzerfestival in Frankfurt am Main am 25. und 26. Mai 2013. Tickets seien noch nicht verfügbar, weitere Infos auf der Internetseite. Mein erster Gedanke: “…wäre doch ein tolles Geburtstagsgeschenk  für meine Freundin!”. Noch dazu würde es endlich möglich sein, die Skyline mal aus einer anderen Perspektive zu sehen – nicht nur aus der der Aussichtsplattform des Maintowers. Ein weiteres Highlight für uns, wo wir solche Ausblicke doch so lieben.

Das war vor zwei Wochen.

Mittlerweile las ich, dass die Tickets ab 24. April um 7.00 Uhr nur auf der Internetseite des Wolkenkratzerfestivals (präsentiert von Hitradio FFH) erhältlich seien – kostenlos. Meine Vorbereitung hierauf begann kurz nach Bekanntwerden des Termins. Ich speicherte mir die Seite als Lesezeichen an gut sichtbarer Stelle im Browser ab, um ja den 24. April nicht zu vergessen. Zwischendrin schaute ich immer mal wieder nach, ob es neue Informationen zur Veranstaltung gab. Die Hochhäuser der Bankenmetropole konnte man sich mit Kurzsteckbrief anschauen, sodass ich mir bereits eine Prioritätenliste gesetzt habe: wenn das nicht klappt, dann dort hinauf, wenn das nicht klappt, dann eben dort hinauf, wenn das nicht klappt, dann…

Der 24. April rückte näher und näher und bereits am Montag war ich voller Vorfreude. Bislang wusste sie noch nichts von dem Festival, eine unauffällige Nachfrage zu ihren Plänen am entsprechenden Wochenende (bzw. Sonntag, da ich den Samstag verhindert bin) war positiv: noch nichts vor. Der Weg war also frei, ich könnte meine Freundin also mit zwei Karten für das Wolkenkratzer-Festival überraschen – nur für welches Hochhaus wir Tickets bekommen sollten, das war noch nicht klar.

Meine Top-Hochhäuser waren folgende: Commerzbank Tower, Tower 185, Messeturm, Deutsche Bank. Sollte das nicht klappen – mal sehen, gibt ja noch einige andere zur Auswahl.

Dann stand der 24. April auf dem Kalenderblatt, mein Wecker ging wie sonst auch gegen 6.30 Uhr und mein Praktikum begann erst um kurz vor 8.00 Uhr. Ich hatte demnach etwa 40 Minuten Zeit. Pünktlich um 7.00 Uhr saß ich also vor dem PC, surfte die Seite von FFH an – einmal “Neu laden” und die Seite baute sich langsam auf. Ein Klick auf den Banner und ich konnte mir den gewünschten Wolkenkratzer aussuchen.

Insgesamt gab es 19 Stück zur Auswahl und pro Person konnte man bis zu vier Tickets bestellen. Auf der Seite selber war sehr übersichtlich dargestellt, zu welchen Zeiten es noch Karten für welchen Turm gab. Gut, der Commerzbank Tower war als erstes “ausverkauft”, damit habe ich gerechnet und mich gleich auf den Tower 185 sowie die Deutsche Bank konzentriert.

Zunächst tat sich einmal nichts und Firefox meldete sich mit “Netzwerk-Zeitüberschreitung” zu Worte. 80.000 Tickets sollte es geben und die Werbetrommel wurde gut gerührt. Nächster Versuch, ich konnte jetzt die noch übrigen Zeiten sehen (sowohl Deutsche Bank als Tower 185) und klickte auf mein gewünschtes Zeitfenster. Ein Fenster ploppte auf:

Gerade versuchen sehr viele gleichzeitig Tickets für das Wolkenkratzer-Festival zu bestellen.
Deshalb kommt es zu Wartezeiten.

Sie werden aber gleich weitergeleitet und brauchen nicht neu zu laden.


Pustekuchen, nichts tat sich. Auch nicht nach mehreren Minuten. Keine Weiterleitung.

In einem anderen Tab sah es minimalst besser aus, nach diversen Malen “Neu laden” wegen “Netzwerk-Zeitüberschreitung” erschien beim Tower 185 im Fenster mein gewünschter Termin mit Datum und Uhrzeit und ich solle doch angeben, wie viele Tickets ich haben möchte. Ich wählte “2” aus und klickte auf “Weiter”. Zwei Tickets sind von nun an für mich 10 Minuten lang reserviert, ein Countdown zählte im Sekundentakt in Richtung 0. In die Maske trug ich meine Kontaktdaten ein sowie unsere Namen, da die Tickets auf Namen ausgestellt werden. Nur noch der Button “Kostenfrei bestellen” trennte mich von meiner Überraschung!

Übrigens, bis hierhin sind es mittlerweile rund 15 bis 20 Minuten gewesen. Als ich dachte, ich hätte es geschafft (auf der Facebook-Seite von FFH verkündeten die ersten ihre Erfolge), folgte die Ernüchterung: Die Daten konnten nicht übermittelt werden! Toll, jetzt habe ich es soweit geschafft – und dann können meine Daten nicht übermittelt werden, weil die Server keine Kapazität mehr haben. Super, obwohl tags zuvor noch angepriesen worden ist, dass eigens Techniker im Haus seien und die Serverkapazitäten ebenfalls erhöht werden sollten.

Mittlerweile war mein Termin auch schon gar nicht mehr verfügbar, so dass ich mich dem Hochhaus der Deutschen Bank widmete. Nach mehreren Versuchen auch hier endlich das Fenster mit Datum, Uhrzeit sowie meiner gewünschten Anzahl an Tickets. Erneut der Countdown, erneut trug ich meine Kontaktdaten und unsere Namen ein. “Kostenfrei bestellen” – nur noch dieser kleine Button unter den Namen für die Tickets war meine Hürde.

Und eben diese Hürde blieb stehen, als ich klickte. Ich stolperte quasi wieder über die Tücken der Technik, dieses Mal ohne zu wissen warum. Es erschien keine Meldung, die auf Zeitüberschreitung hinwies. Stattdessen die Fehlermeldung, dass ich angeblich über meiner reservierten Zeit läge und die Tickets nicht mehr verfügbar seien.

Klasse! Mindestens 35 Minuten umsonst in der Warteschlange gehangen, zweimal bis zum Ende durchgekommen und trotzdem gescheitert! Und dass, obwohl ich alles angegeben, kein Feld übersehen habe und innerhalb meines Countdowns lag. Bitte, wo lag der Fehler? Für einen weiteren Versuch war keine Zeit mehr, da ich los musste – aber nicht nur mir erging es so, auch viele andere mach(t)en ihrem Unmut auf der FFH-Facebook-Seite Luft (“unpassende Uhrzeit für arbeitende Bevölkerung”, “zu wenig Serverkapazitäten trotz Ankündigungen”,…).

Meine Hoffnung, dass die Daten doch irgendwie durchgekommen sind und ich eine verspätete Bestätigungsmail erhalte hat sich noch immer nicht bestätigt. Keine Mail, trotz Durchkommens. Mit dem Ansturm war zu rechnen, vor allem weil die Tickets kostenlos sind. Das zieht immer. Aber bitte, liebe FFH-Mitarbeiter: wenn ich lese, dass manche Leute Tickets gleich für zwei Wolkenkratzer ergattern konnten und manche überhaupt nicht durchgekommen sind, dann scheint irgendetwas im System nicht zu stimmen.

Wenn ihr die Tickets schon gratis vergebt, warum nicht dann einen kleinen Betrag für die Tickets nehmen und den Erlös spenden? Bei 80.000 verfügbaren Tickets wären das schon bei einem Euro pro Karte mindestens 80.000 € für einen guten Zweck. Von mir aus könnt ihr davon auch einen Teil in bessere Server investieren, damit es eine faire Vergabe gibt.  So wünsche ich mir das jedenfalls für ein nächstes Mal – und wenn es auch wieder sechs Jahre dauert, bis es das nächste Wolkenkratzerfestival gibt. Aber bitte, bitte kümmert euch um bessere Technik und um ein besseres Vergabeverfahren!

Was mich aber am meisten aufregt und zu meiner Enttäuschung führte: dass die Anfrage überhaupt nicht erst durchgekommen ist – so kurz vor dem Ziel zerplatzte meine geplante Überraschung wie eine Seifenblase. Ein Klick, ein einziger Klick trennte mich noch vom Glück und dann so was. An den Tücken der Technik verzweifelt. Beim Wolkenkratzerfestival nicht auf die Wolkenkratzer zu kommen ist wie Weihnachten ohne Weihnachtsmann, wie Ostern ohne Osterhase. Ohne Wolkenkratzeraufstieg ist es einfach nur ein Straßenfest oder ein Volksfest, aber kein Wolkenkratzerfestival.

Nein danke, wir werden sicherlich nicht am 26. Mai in Frankfurt sein.

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