Düsseldorf und der Medienhafen: modern, farbig, exklusiv

Gerade überlegte ich noch wie ich den Artikel einleiten soll – da wird im Radio “Tage wie diese” von den Toten Hosen angespielt. Ein Lied von einer Band, das den letzten Ausflug eigentlich perfekt beschreibt. Sonnig, blauer Himmel, mit rund 12°C etwas frisch, aber in der Sonne durchaus ohne Jacke auszuhalten. Genau das denken sich auch die Bewohner von Düsseldorf, wo es meine Freundin und mich hinverschlagen hat. Vor fast einem Jahr ging mit Düsseldorf übrigens auch mein erster Reisebericht online. Verändert hat sich die Stadt in dieser Zeit allerdings kaum, manche Baustellen sind noch immer vorhanden und sorgen für Umleitungen im Herzen der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen.

Doch von Anfang an. Von Umleitungen ist nämlich zunächts nichts zu sehen, als wir unser erstes Tagesziel ansteuern – den Medienhafen, in der Nähe des Rheinturms. Obwohl nicht weit voneinander entfernt, haben wir uns im letzten Jahr gegen den Medienhafen entschieden und wollten später zurück kommen. Dieses “später” war an einem Samstag im April.

Medienhafen Düsseldorf

Medienhafen Düsseldorf

Der Medienhafen ist der am dünnsten besiedelte Stadtteil mit 129 Einwohnern, was bei 3,85km² Fläche eine Einwohnerdichte von 34 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. In diesem Stadtteil haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Firmen angesiedelt, mittlerweile gibt es 7600 Mitarbeiter, die sich auf über 600 Firmen verteilen. Die Benennung in “Medienhafen” täuscht allerdings: nur 9% der Nutzer sind Medienunternehmen, den Großteil machen mit 16% der vermieteten Flächen Rechtsanwälte und Beratungsfirmen aus.

Eines der Gebäude, die mit ihrer Architektur herausstechen, ist das Colorium – 62 Meter hoch und damit das derzeit zweithöchste hier im Medienhafen. Es wurde von William Alsop für die Ibing Immobilien GmbH geplant und 2001 fertig gestellt. Die bunte Fassade besteht aus über 2200 Glaspaneelen, die farbig bedruckt worden sind.

Colorium

Colorium

Der Mix zwischen Moderne und Industriekultur des 20. Jahrhunderts ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack – unser allerdings schon. Um den Hafen herum findet sich die Moderne in Form von Gebäuden wieder, während “an der Waterkant” noch Relikte aus der Industriezeit des Hafens sichtbar sind: alte Kräne, ihre Führungsschienen sowie die alten Hafenanlagen. Zur Moderne zählt auch der Rheinturm, das höchste Gebäude der Stadt Düsseldorf.

Medienhafen Düsseldorf mit Rheinturm

Medienhafen Düsseldorf mit Rheinturm

Weithin bekannt sind wahrscheinlich auch die “Flossis”, die seit 2002 das Roggendorf-Haus (einen kernsanierten Speicher) bevölkern. Die “Flossis” sind bis zu 4,2 Meter hohe und 2,5 Meter lange Figuren der Künstlerin Rosalie. Ursprünglich kletterten sie 1998 bei der Eröffnung des Deutschen Kunststoff-Museums im NRW-Forum das erste Mal ein Haus hoch, mussten dann aus Denkmalschutzgründen wieder entfernt werden. Sie kamen aber so gut an, dass die Figuren an anderer Stelle erneut klettern durften: am Roggendorf-Haus im Medienhafen, welches von 24 “Flossis” bestiegen wird. Am Nachbargebäude kraxeln fünf weitere die Wand hinauf.

Die "Flossis" erobern das Roggendorf-Haus

Die “Flossis” erobern das Roggendorf-Haus

Wie es sich für einen modernen Stadtteil gehört, gibt es viele Restaurants, Bars sowie weitere Ausgehmöglichkeiten – aber auch Hotels direkt vor Ort: Das Radisson Blu Media Harbour, das Marriott Düsseldorf Hafen und das Hyatt Düsseldorf. Letzteres befindet sich von allen drei am nächsten zum Rhein an der Kreuzung von Medienhafen und – ich nenne es mal so – Industriehafen. Zwischen den beiden Hotelteilen gelangt man über eine Treppe in den Bereich der Bar “Pebble’s” mit Rundumblick auf Düsseldorf und den Medienhafen.

Blick in den Industriehafen

Blick in den Industriehafen

"Pebble's"-Bar mit Rheinturm

“Pebble’s”-Bar mit Rheinturm

Quer durch den Medienhafen führt eine Brücke vom einen Ufer zum anderen. Das Restaurant “Lido” der gehobenen (Preis)Kategorie glänzt mit bester Lage – quasi mitten im Hafenbecken, links und rechts der Brücke – und exquisiten Angeboten. Wolfsbarschkotelett, Felsenbarbe, Perlhuhn oder Austern, Gourmets finden hier das passende.

Auf der anderen Hafenseite, wir befinden uns nun am östlichen Ufer (“Am Handelshafen”), lugt das Wahrzeichen Düsseldorfs hinter den modernen Gebäuden des “Neuen Zollhofs” hervor.

Architektur unter sich: Rheinturm und Gebäude im Medienhafen

Architektur unter sich: Rheinturm und Gebäude im Medienhafen

Mit zu den bekanntesten Bauten hier im Medienhafen gehören die Gehry-Bauten, die 1998 beziehungsweise 1999 fertig gestellt worden sind. Benannt sind sie nach ihrem Architekten, Frank O. Gehry. Drei Gebäude gehören zu ihnen, die allesamt ein unterschiedliches Aussehen aufweisen. Nur ihre asymmetrische Form ähnelt sich jeweils.

Gehry-Bauten: Haus A

Gehry-Bauten: Haus A

Gehry-Bauten: Haus B

Gehry-Bauten: Haus B

Gehry-Bauten: Haus C

Gehry-Bauten: Haus C

Da ist er wieder, der Rheinturm. Nachdem wir im letzten Jahr den Blick von oben genossen haben, bleiben wir dieses Mal unten und bestaunen die Größe des Fernsehturms – immerhin 240,5 Meter. Er steht angrenzend an den Medienhafen im Rheinpark Bilk, direkt am Rhein und in der Nähe des nordrhein-westfälischen Landtags. Ebenfalls angrenzend ist das Funkhaus des WDR, in dem unter anderem die Sendungen Aktuelle Stunde, WDR aktuell sowie daheim&unterwegs produziert werden.

Rheinturm im Frühling...

Rheinturm im Frühling…

...und Frühling in Düsseldorf

…und Frühling in Düsseldorf

Von hier unten wirkt der Rheinturm ganz schön groß – und  die Aussicht von hoch oben ist wirklich nicht zu verachten. Weithin über Düsseldorf und Umgebung – bei gutem Wetter bis nach Köln.

Rheinturm Düsseldorf von unten

Rheinturm Düsseldorf von unten

Hier, am Fuße im Rheinturmpark, genießen wir die Sonne an diesem Tag: neben uns der Rhein und der Fernsehturm, um uns herum die Düsseldorfer – und wir mittendrin. Einige joggen, andere sitzen auf den Bänken und genießen das Wochenende. Wiederum andere schlendern mit einem Eis in der Hand entlang der Promenade – so wie wir, nur ohne Eis. Auf dem Rhein mit Blick auf die Rheinkniebrücke wirft der Rheinturm seinen Schatten.

Rhein in Düsseldorf

Rhein in Düsseldorf

Nicht weit von hier entfernt befindet sich die Energie-Pyramide von Thomas Schönauer und Berend F. van Laar. Vier Skalen sind auf dem Boden eingelassen, die den aktuellen Energieverbrauch der Stadt Düsseldorf anzeigen: Strom, Trinkwasser, Erdgas und Fernwärme. Gebildet wird die Pyramide von gleichschenkligen Dreiecken, die zu jeder vollen Stunde im rechten Winkel zueinander stehen und somit die Form bilden. Auf dem Boden stehen verschiedene Sprüche, wie zum Beispiel “Das All ist voller Energie. Energie verändert das Universum.”

Energie-Pyramide im Rheinturmpark

Energie-Pyramide im Rheinturmpark

Langsam begeben wir uns wieder in Richtung Medienhafen und passieren den dortigen kleinen Yachthafen. Rechts im Bild zu sehen ist noch ein Teil des Parks, in dem wir uns noch kurz zuvor aufgehalten haben, links im Hintergrund das Colorium und in der Bildmitte das Hyatt-Hotel.

Yachthafen zwischen Medienhafen und Rheinturm

Yachthafen zwischen Medienhafen und Rheinturm

Entlang der Hafenkante haben sich einige Restaurants und Bars angesiedelt, die allesamt einen hochwertigen Eindruck machen. Allerdings haben wir hier nichts gegessen, sondern sind zurück in Richtung Auto gelaufen. Gegenüber sind die “Flossis” noch immer dabei, das Roggendorf-Haus zu besteigen, als der Hafen langsam hinter uns bleibt.

Roggendorf-Haus mit "Flossis"

Roggendorf-Haus mit “Flossis”

Kurz vor der Tiefgarage am UCI Kino hält neben uns ein noch junger Mercedes mit einem älteren Herren am Steuer an: auf Englisch, irgendwie mit spanischem Akzent, fragt er uns nach einem bestimmten Restaurant. Leider müssen wir verneinen und können ihm nicht weiterhelfen.

Also weiter zum zweiten Teil in Düsseldorf an diesem sonnigen Samstag – vom Medienhafen geht es in die  Unterwelt: der Rheintunnel verschluckt uns und am Fuße der Rheinkniebrücke erblicken wir wieder das Tageslicht. Immer weiter in Richtung Tiefgarage der Schadow Arkaden, von wo aus es nun in die belebte Altstadt geht. Doch vorher ist erstmal ein Besuch bei Starbucks Pflicht – mittlerweile Tradition auf unseren Reisen und Ausflügen geworden. Zum Glück (?) gibt es bei uns in Korbach keines, sonst wäre die Exklusivität unterwegs hinüber.

In Sichtweite von Starbucks hat Frankreich sozusagen seinen Platz bezogen – oder vielmehr ein berühmtes Auto aus unserem Nachbarland: ein Citroën 2CV. Die französische Zentrale für Tourismus, Atout France, hat sich hier am Samstag in der Fußgängerzone einen Platz gesucht und verteilt an Passanten kleine Quietscheentchen: zum Beispiel als Chansonsängerin, Baguette- und Baskenmützenträger oder als Maler. Zum Mitnehmen gibt es auch zwei Zeitschriften: eine auf französisch (die wir dank mittlerweile verblichenen Schulfranzösisch-Kenntnissen leider liegen lassen mussten) und eine auf Deutsch mit Artikeln über Stadt und Land in Frankreich, die wirklich Reiselust vermittelt.

Nun sind wir aber noch nicht in Frankreich, sondern noch in Düsseldorf. Und wofür ist Düsseldorf bekannt? Richtig – für das leckere Eis von Pia! Die Baustelle, die sich hier in der Kasernenstraße auch schon im letzten Jahr befand, ist noch immer da. Dafür ist die Schlange noch länger als ein Jahr zuvor und nach zehn langen Minuten halten wir jeweils eine große Kugel Eis in der Hand.

Eis schleckend lassen wir die Geschäfte auf der Flinger Straße hinter uns, denn der Rhein zieht uns magisch an. Hier an der Rheinuferpromenade tummeln sich bei Sonnenschein pur die Düsseldorfer und Touristen, die Bars und Restaurants entlang des Rheins sind voll –  und auf diversen Leinwänden wird das Auswärtsspiel der Fortuna übertragen. Besonders bel(i)ebt ist die Freitreppe am Burgplatz, die sich in eine Sitzfläche verwandelt hat.

Freitreppe am Burgplatz

Freitreppe am Burgplatz

Ein paar Meter weiter tun wir es den anderen gleich: eine Bank ist für einige Minuten unser Ruhepol, schön mit Blick auf den Rhein und ein wenig windgeschützt, sodass die Sonnenstrahlen schön wärmend auftreffen können. Heute ist übrigens die Nacht der Museen in Düsseldorf, wo zahlreiche Museen mit Veranstaltungen, Lesungen, Bands,… bis in die Nacht hinein offen sind. Ob die vielen Passanten daher herrühren?

Über den Burgplatz und Marktstraße führt uns der Weg zurück in die Flinger Straße…

Flinger Straße / Ecke Marktstraße: viel los

Flinger Straße / Ecke Marktstraße: viel los

…wo wir das erste Mal einen Donut von “Dunkin Donuts” in den Händen halten. Zwar nur eine kleine Verkaufsstelle, doch die Mitarbeiter haben gut zu tun.  Zum Donut selber: schmeckt besser als die vom heimischen Bäcker :-) Nach einer kurzen Stippvisite bei Galeria Kaufhof an der Kö stehen wir dann wieder bei den Schadow Arkaden – um uns wieder ins Auto zu setzen und kurz darauf wieder den Heimweg ins Hessische Land anzutreten.

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