Der Abend, an dem ich in Berlin das erste Mal doppelt sah (Teil II)

Gedanklich stoppe ich auf meinem imaginären Stadtplan. Ich überlege kurz. Was möchte ich lieber sehen? Fernsehturm von unten und den Alexanderplatz – oder doch lieber das Wahrzeichen, das Brandenburger Tor? Das eine wäre näher, das andere imposanter…von der Kälte beeinflusst entscheide ich mich schließlich für das Brandenburger Tor, das imposantere von beiden Entscheidungen.

So endete mein erster Teil aus Berlin, die Fortsetzung könnt ihr jetzt hier lesen:

Auf dem Weg dorthin passiere ich einige Touristen, manche ziehen einen Koffer hinter sich her, das rhythmische Klackern der Rollen ist bei dieser ruhigen Atmosphäre noch hunderte Meter lang zu hören. Weniger lange bleiben die Gesprächsfetzen in meinem Ohr hängen, die auf Englisch, Französisch und etwas Osteuropäisch bis zu meinem Trommelfell vorgedrungen sind.

Ich denke gerade über einen Vorteil der Handyfotografie nach, als ich kurz inne halten muss. Hinter den großen Scheiben der Mercedes Benz Gallery – beleuchtet von einer riesigen LED-Wand – sticht mir dieses alte Schätzchen ins Auge und wandert direkt auf die Liste für meinen nächsten Hauptstadtbesuch. Bevor ich mich auf die letzten Meter Richtung Pariser Platz begebe, vervollständige ich meinen Gedanken bezüglich der Handyfotografie: bei den Temperaturen sind die Hände schneller wieder in den Taschen verschwunden, gerade weil ich meine Finger bereits kaum noch bewegen kann.

Mercedes Benz Gallery Berlin

Mercedes Benz Gallery Berlin

Mit den Händen in den Taschen passiere ich Madame Tussauds sowie die geschlossenen Filialen von Dunkin’ Donuts und Starbucks. Über den warmen Becher, gefüllt mir einer Vanilla Latte, hätten sich nicht nur meine kalten Finger gefreut…

Vor mir, hell erleuchtet und eingebettet zwischen den Gebäuden am Pariser Platz, ragt nun also mein Ziel hervor – das Brandenburger Tor. Wie schon am Dom kann man die Touristen und Besucher an zwei, drei Händen abzählen. Auf der Leinwand meines geistigen Auges stehe ich jetzt hier, in der Mitte des Platzes, baue mein Stativ auf, setze die Kamera darauf, wähle Bildausschnitt und Belichtungszeit aus…doch halt, Moment. Heute nicht. Heute zücke ich nur mein Smartphone, starte die Kamera und tippe ein-, zweimal kurz aufs Display. Fertig.

Das Brandenburger Tor...

Das Brandenburger Tor…

...am Pariser Platz

…am Pariser Platz

Ich schlüpfe zwischen den Säulen hindurch, blicke nach oben. Mein Blick fällt auf die Verzierungen sowie die Lampen unterhalb der Decke, doch auch mein ständiger Begleiter an diesem Abend ist wieder mit dabei, ungeachtet der kühlen Temperaturen und des zeitweise auftretenden Windes.

...begleitet vom Mond

…begleitet vom Mond

Im Licht des Mondes überquere ich die Kreuzung Ebertstraße/Straße des 17. Juni. Kein Auto hindert mich daran, kein rotes oder grünes Ampelmännchen. Ob die Fashion Week hiermit zu tun hat? Die Aufbauarbeiten laufen noch, statt Prominenten wuseln Arbeiter durch das Zelt.

Mittlerweile stehe ich nicht mehr alleine hier und mache Fotos. Zwei Frauen, eine mit Spiegelreflex bewaffnet, die andere mit einer Kompaktkamera, stellen sich auf den Fußgängerüberweg der gesperrten Straße. Sie baut ihr Stativ auf, setzt die Kamera darauf, wählt Bildausschnitt und Belichtungszeit aus..”piep piep..klick” – Bild auf der Speicherkarte. In Gedanken gehe ich denselben Ablauf durch, doch ich habe nur mein Handy dabei.

Meine Finger sind durch die Kälte bereits wieder gelähmt, ich muss zwei, drei Mal auf den Auslöser drücken, bis ich das Bild endlich auf die Speicherkarte im Smartphone gebannt habe.

Blick von der Straße des 17. Juni

Blick von der Straße des 17. Juni

Langsam und durchgefroren verlasse ich die Kreuzung und den Platz des 18. März wieder, packe meine Hände in die Hosentaschen und durchschreite ein zweites Mal das Brandenburger Tor. Wirklich faszinierend, wie leer Berlin-Mitte doch sein kann. Noch immer treibt sich kaum eine Menschenseele auf dem sonst so bevölkertem Platz herum, kein Warten darauf, dass das Motiv halbwegs menschenleer ist – einfach hinknien, Foto machen und sich freuen, das Symbol der Wiedervereinigung gleich doppelt gesehen zu haben.

Fast menschenleer - der Pariser Platz

Fast menschenleer – der Pariser Platz

Wie versprochen – der zweite Teil wird der erste Artikel im neuen Design sein – ich hoffe es gefällt euch!

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