Von der Isar bis zum Isartor (Teil 4)

Hinter der Figur des Stamm der Baiern auf der Luitpoldbrücke (siehe Teil 3: “Surfen auf der Münchener (Geschichts)Welle”) schaut er bereits hervor, der “Friedensengel”: auf einer 38 Meter hohen Säule befindet sich die sechs Meter große Figur, die die Nike von Neapel symbolisiert und an 25 Jahre Frieden nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 erinnert. Die Säule entspringt einem kleinen Tempel, der Porträts von deutschen Kaisern zeigt sowie verschiedene Allegorien. 1896 erfolgte die Grundsteinlegung, 1899 die Enthüllung.

Tempel am Friedensengel

Tempel am Friedensengel

Allegorie mit Statue

Allegorie mit Statue

Der Friedensengel

Der Friedensengel

Zu beiden Seiten des Denkmals erstrecken sich die Maximiliansanlagen, die von König Maximilian II. in Auftrag gegeben worden sind. Sie wurden von 1856 bis 1866 direkt neben der Isar von Carl von Effner angelegt, nachdem das Gelände zuvor als Schafsweide genutzt wurde. Heute zählt die längliche, terrassenartige Parkanlage als südlicher Teil des Englischen Gartens und ist mit seinen Wegen ein beliebter Joggingtreffpunkt entlang der Isar.

Blick aus den Maximiliananlagen auf Isar und Maximilianbrücke

Blick aus den Maximiliananlagen auf Isar und Maximilianbrücke

Das Maximilianeum in Höhe der Maximiliansbrücke ist seit 1949 der Sitz des Bayerischen Landtags und wurde von 1857 bis 1874 ebenfalls auf Wunsch von König Maximilian II. erbaut. Seit 1876 hat hier die Stiftung Maximilianeum ihren Sitz, die hochbegabte Schulabgänger unterstützt.

Maximilianeum

Maximilianeum

Zurück am Ufer der Isar führt ein Weg direkt am Wasser entlang, der zum Spazieren und Sport treiben einlädt. Im Gegensatz zu anderen Flüssen, die Großstädte durchqueren, ist die Isar nicht schiffbar – der niedrige Wasserstand und Schotterbänke machen es unmöglich. Einigen wirtschaftlichen Nutzen besitzt der 295 Kilometer lange Fluss im Bereich der Wasserkraft und als Kühlung für das Kernkraftwerk Isar, welches sich in der Nähe von Landshut befindet.

Kabelsteg und Deutsches Museum im Hintergrund

Kabelsteg und Deutsches Museum im Hintergrund

Wehrsteg mit Sankt Lukas Kirche

Wehrsteg mit Sankt Lukas Kirche

Das erste Schwimmbad Münchens, welches bei seiner Fertigstellung im neubarocken Jugendstil 1901 zugleich das größte und teuerste Schwimmbad der Welt war, hat seinen Platz neben der Ludwigsbrücke, in Sichtweite des Deutschen Museums. Es verfügt über zwei Becken (31 Meter x 12 Meter, “Herrenbecken” und 18 Meter x 11 Meter, “Damenbecken”) sowie römisch-irisches Dampfbad und Sauna. Carl Hocheder als Architekt des Bades plante einen Turm mit in den Bau ein, der als Speicherort für das Reservewasser verwendet wird und zugleich die Aufgabe besitzt, den Wasserdruck im Bad konstant zu halten. Benannt ist das Volksbad nach seinem Spender, dem Münchner Ingenieur Karl Müller.

Müllersches Volksbad

Müllersches Volksbad

Blick von der Ludwigsbrücke auf Müllersches Volksbad sowie Philharmonie

Blick von der Ludwigsbrücke auf Müllersches Volksbad sowie Philharmonie

Mein Abschied aus München rückt langsam näher, über die Ludwigsbrücke führt mich mein Weg zurück Richtung Innenstadt, zum Isartor. Es ist eines der drei erhaltenen Stadttore in der Altstadt und entstand im Zuge der großen Stadterweiterung unter Ludwig dem Bayern von 1285 bis 1347. Die Fertigstellung des Isartores selber erfolgte im Jahre 1337. Knapp fünf Jahrhunderte später beschloss der Stadtrat, dass das Isartor abgerissen werden solle und ließ erste Mauern einreißen.

Ludwig I. beauftragte Friedrich von Gärtner im Jahre 1833 mit der Wiederherstellung des Tores, welches dann im Zweiten Weltkrieg erneut schwer beschädigt wurde. Die Maßnahmen zur Sicherung wurden über elf Jahre lang durchgeführt, beschränkten sich jedoch nur auf das nötigste. Erst 1971/72 wurde der Ursprungszustand aus dem Jahre 1337 nahezu wieder hergestellt. Heute befindet sich in den beiden niedrigeren Türmen das Valentin-Karlstadt-Museum.

Auf das Zitat “In Bayern gehen die Uhren anders” von Willy Brandt spielt die Uhr im Hauptturm an – die Ostseite zeigt ein normales Ziffernblatt, während die Uhr auf der Westseite rückwärts läuft.

Das östliche der drei Stadttore: Isartor

Das östliche der drei Stadttore: Isartor (Westseite)

Mittlerweile bleibt mir nicht mehr viel Zeit, da die Abfahrt meines Zuges Richtung Kassel – Bad Wilhelmshöhe näher rückt. Durch den leicht einsetzenden Regen laufe ich zurück Richtung Marienplatz, bis zur Neuhauser Straße. Einen letzten Punkt auf meiner Liste möchte ich gerne noch abhaken: die Bürgersaalkirche. Von außen fast ein wenig unscheinbar, direkt in der Fußgängerzone gelegen und nach Entwürfen von  Giovanni Antonio Viscardi 1709/10 erbaut. Sie besteht aus einer prachtvollen Oberkirche und einer im Vergleich dazu recht schlichten Unterkirche.

Mit diesen letzten Eindrücken geht der Ausflug in seine letzten Minuten – gemeinsam mit dem Gefühl, dass München sich optimal für ein erstes Kennenlernen an einem Wochenende eignet.

Die Oberkirche

Die Oberkirche

Vielen Dank an hrs und die Deutsche Bahn für die Einladung nach München. Alle Erlebnisse und die daraus entstehenden Reiseberichte bleiben hiervon unberührt.

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