Herbstliche Idylle mitten im Harz

Der Harz – eine Landschaft, die ich bislang eigentlich ziemlich außer Acht gelassen habe. Warum weiß ich gar nicht, denn mit zwei Stunden Fahrzeit ist er schnell erreichbar und zu anderen Zielen im Ruhrgebiet oder nach Frankfurt am Main benötige ich auch zwei Stunden. Nur eine halbe Stunde länger und ich wäre in den Niederlanden oder am Rhein bei Koblenz – oder auch im tiefsten Harz.

Nun gut, vielleicht liegt es an der A7, die zwischen Kassel und Göttingen regelmäßig vollgesperrt wird (so auch auf der Rückfahrt geschehen, wobei hier die Gegenrichtung betroffen war) und damit die schnellste und einfachste Verbindung erst einmal dicht ist. Trotzdem würde ich es immer wieder wagen und die A7 bezwingen – zu schön ist die Landschaft, die mit Stauseen, Wäldern und Ausblicken aufwartet.

Bunte Wälder im Herbst, kleine Städtchen und Dörfer mittendrin und das Gefühl, sich relativ hoch über Normalnull zu befinden verbreiten ein Gefühl, was man schwer beschreiben kann. Hinzu kommt die Einsamkeit – teilweise bin ich auf den kurvigen Straßen alleine unterwegs und leere Parkplätze am Straßenrand ziehen vorbei. Die Okertalsperre scheint sowas wie ein Hotspot im ländlichen Harz zu sein. Bereits am Vorbecken aus Richtung Altenau her kommend füllen Autos den Parkplatz, ein kleiner Spaziergang über die die dortige kleine Staumauer und hinein in das dortige Waldstück entlang des Ufers wird mein erstes Kennenlernen sein. Ein schönes Kennenlernen. Es ist ruhig, selbst das Wasser scheint sich hier kaum zu bewegen.

Der Herbst hält Einzug

Der Herbst hält Einzug

Am Vorbecken des Okerstausees

Am Vorbecken des Okerstausees

Willkommen im Wald!

Willkommen im Wald!

Vom ruhigen Feldweg zurück über die Brücke, wo das Wasser aus dem Vorbecken hinein in den Okerstausee rauscht – beruhigend und faszinierend zugleich. Wenige Meter weiter befindet sich ein Schleichweg vom Parkplatz hinab in den See hinein. Es ist staubig, steinig und mittendrin sucht sich das Wasser aus dem Vorstau seinen Weg ins große Becken, alles in einem Tal, umringt von grünen Nadelwäldern.

Blick in den leeren Stausee

Blick in den leeren Stausee

Okerstausee

Okerstausee

Ich klettere wieder hinaus, fahre die Straße entlang Richtung Staumauer. Der richtigen Staumauer. Es ist angenehm warm, man kann es ohne Jacke aushalten. Motorradfahrer sitzen draußen und trinken Kaffee, ihre Maschinen funkeln im Sonnenschein. Der Parkplatz ist gut gefüllt, Rentner und Familien laufen über Talsperre, führen ihre Hunde aus, staunen über die Höhe der Mauer und die Blicke hinab in das Tal der Oker. Auf der anderen Seite zeigt sich ein Blick in den recht leeren Stausee – der Weg zum Anleger der heimischen Schifffahrt führt tief hinab über Gestein, welches sich ansonsten eher unter Wasser befindet.

Täuscht: in echt wirklich riesig hoch - die Staumauer

Täuscht: riesig hoch – die Staumauer

Okerstausee im Gegenlicht

Okerstausee im Gegenlicht

Anleger an der Staumauer

Anleger an der Staumauer

Die Schatten werden langsam länger, in den Tälern verschwinden langsam die ersten Sonnenstrahlen – man merkt, dass die Zeitumstellung gerade einmal einen Tag her ist. Noch ungewohnt, doch bald werde ich mich dran gewöhnt haben.

Mit dem Auto geht es ein paar Kilometer weiter, entlang der Oker. Das “Königreich Romkerhall” mit dem rund 64 Meter hohen künstlich angelegten Wasserfall liegt schon im Schatten, der weiße Rolls Royce – die Staatskarosse – parkt gegenüber der könglichen Residenz, einem Hotel mit Restaurant. Die besten Zeiten hat es bereits hinter sich, von außen sieht man ihm seinen Dornröschenschlaf an. Ein Fußweg führt hinauf zum oberen Teil des Wasserfalls, doch das Wasser hat den Weg soweit aufgeweicht, dass ohne passende Ausrüstung kein Aufstieg möglich ist.

Staatskarosse des "Königreichs Romkerhall" vor dem Wasserfall

Staatskarosse des “Königreichs Romkerhall” vor dem Wasserfall

Romkerhaller Wasserfall

Romkerhaller Wasserfall

Am Fuße des Wasserfalls

Am Fuße des Wasserfalls

Irgendwann fällt mein Blick auf ein altes Gebäude – teilweise eingestürzt, überwuchert, in desolatem Zustand. Was für eine Geschichte hier hintersteckt weiß ich nicht. Wie lange es schon brach liegt, was es früher einmal war – das Königreich schweigt, während sich der Schatten der Dämmerung weiter und weiter über das Tal legt. Es wird kälter, die Nacht wird unaufhaltsam hereinbrechen. Mit ihr wird sich ein weiteres Mal die Dunkelheit über den Harz, das Königreich und die Ruine legen. Bleibt die Frage, wie viele Nächte die Ruine noch erleben wird..?

Ruine im Harz

Ruine im Harz

Vergessenes Pferdchen

Vergessenes Pferdchen

One Comment

  1. Pingback: Unpacking Travel Ausgabe 46 | GoEuro Blog

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

required