Kutschfahrt zum Kap Arkona und ins Fischerdorf Vitt

Es gilt als eines der sonnenreichsten Orte Deutschlands – Kap Arkona auf der Halbinsel Wittow im Norden von Rügen. Die 43 Meter hohe Steilküste aus Kreide ist ein beliebtes Ausflugsziel und zieht jährlich rund 800.000 Besucher an. Eine unrühmliche Bekanntheit erfuhr das Kap im Jahr 2011, als herab rutschende Geröllmassen ein Todesopfer forderten. Seitdem sind die Treppen zum Strand gesperrt und dürfen nicht mehr betreten werden.

Aus dem 9. bis 12. Jahrhundert finden sich hier noch die Überreste der Jaromarsburg, der Kultstätte eines slawischen Stammes. Bedingt durch die Küstenabrutsche ist heute aber nur noch ein Teil des Burgwalls sichtbar, der Tempel selber wurde während der Christianisierung zerstört. Unweit der Anlage steht ein ehemaliger Marinepeilturm, der anfangs als Seefunkfeuer genutzt wurde. 1945 wurde die Technik des Turmes zerstört, heute dient er als Kunstmuseum und Atelier.

Bekannter dürften die beiden Leuchttürme am Kap sein – der kleinere von beiden wurde vom Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfen und ging 1828 in Betrieb. Der „Schinkelturm“ ist damit der zweitälteste Leuchtturm an der deutschen Ostseeküste und hat eine Höhe von 19,3 Metern. 1905 erfolgte die Außerdienststellung, nachdem im selben Jahr der neue Leuchtturm mit einer Höhe von 35 Metern in Dienst gestellt wurde. Beide Türme können besichtigt werden.

Der neue Leuchtturm am Kap Arkona

Der neue Leuchtturm am Kap Arkona

Weg zu den Leuchttürmen

Weg zu den Leuchttürmen

Nicht weit von den Leuchttürmen entfernt befinden sich heute noch zwei ehemalige Bunker. Der ältere wurde von der Wehrmacht gebaut und fungierte als Dienststelle der 6. Grenzbrigade Küste. Von 1979 bis 1986 wurde ein zweiter und größerer Bunker errichtet, der der 6. Flottille der Volksmarine und der Vereinigten Ostseeflotte als Gefechtsstand diente. Heute befinden sich in den Bunkeranlagen eine Kunstgalerie sowie ein Museum.

Soviel zur Geschichte – vor einigen Jahren war ich schon einmal auf Kap Arkona. Die Landschaft hat sich seitdem verändert: nur wenige Meter von den Leuchttürmen entfernt, Richtung Küste, wirkt alles ungepflegt und sich selber überlassen. Gras und Gestrüpp wachsen unkontrolliert, die Natur hat freies Spiel und übernimmt die Kontrolle. Irgendwie hatte ich den Ort anders in Erinnerung – gepflegt, ordentlich, ansehnlich. Vielleicht hätte der Ausblick vom Leuchtturm über die anfängliche Enttäuschung hinweggetröstet, doch der Aufenthalt am Kap war begrenzt. 30 Minuten Aufenthalt, danach sollte die Pferdekutsche den Weg ins Fischerdorf Vitt antreten. Nicht viel Zeit, aber zum erneuten Wiedersehen dennoch ausreichend. Wer den Leuchtturm ohne Stress und Hektik besteigen will, der sollte vielleicht lieber zu einer anderen Anreisealternative greifen: dem Fahrrad, zu Fuß oder mit der Kap-Arkona-Bahn – gerade in der Hauptsaison. Autos und Busse müssen auf einem Parkplatz vor der Gemeinde Putgarten abgestellt werden, denn das Befahren ist nur mit Sondergenehmigung möglich.

Verwilderte Landschaft

Verwilderte Landschaft

Mit der Kutsche zum Kap und nach Vitt

Mit der Kutsche zum Kap und nach Vitt

Ein wenig enttäuscht von den frischen Eindrücken rund um die Leuchttürme mache ich mich schließlich wieder auf den Weg zur Kutsche, die uns entlang der Steilküste zum kleinen Fischerdorf Vitt bringt. Auf Vitt freue ich mich dafür umso mehr. Idyllisch gelegen in einer kleinen Uferschlucht und unter Denkmalschutz stehend, Reetdachhäuser und dazu ein kleiner Hafen – für mich das Paradies auf Rügen. Leider haben wir auch hier nur einen kurzen Aufenthalt, doch er reicht aus, um mich in seinen Bann zu ziehen. Der Weg hinab ins Dorf verheißt schon gutes – die ersten Reetdächer tauchen auf, es ist leise und ruhig, Möwen kreisen durch die Lüfte, zwischen den Dächern erahnt man die Ostsee.

Ersteindruck von Vitt

Ersteindruck von Vitt

Downtown Vitt

Dorfmitte

Verlaufen ist kaum möglich, falls doch – immer bergab, dann erreicht man den kleinen Hafen und den Strand. Hier herrscht gemütliches Treiben, die Boote werden auf Vordermann gebracht, am Tisch nebenan sitzen Touristen und trinken Kaffee, während nur wenige Meter entfernt leise, aber hörbar Wellen auf die Steine unterhalb des Ufers treffen. So sieht Idylle aus, auch wenn sich die Sonne hinter einer Wolkendecke versteckt und ein stetiger Wind für Abkühlung sorgt. Doch so schnell ich in Vitt angekommen bin, so schnell geht es auch schon wieder zurück zur Pferdekutsche, die oberhalb des Dorfes an der Vitter Kapelle wartet.

Hafen von Vitt

Hafen von Vitt

Die Rundfahrt auf der Halbinsel geht auf ihr Ende zu – mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich zurück auf das gerade Gesehene, bin ein wenig unentschlossen wie ich die vergangenen Momente werten soll. Vitt ist auf jeden Fall eine Reise wert, ich würde sofort wieder hierhin zurückkommen, doch das naturbelassene Ambiente um die Leuchttürme herum bringt mich zum Nachdenken mit der Frage nach der Vergangenheit, als ich das letzte Mal an dieser Stelle gestanden habe – warum ist solch ein beliebtes Ziel in solch einem Zustand?

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