Gedser – am südlichsten Zipfel Dänemarks

Sommerzeit ist Urlaubszeit – und nachdem es mich zuletzt eine gefühlte Ewigkeit daheim gehalten hat, wurde es auch für mich wieder Zeit, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Ziel war die Insel Falster in Dänemark, im Südosten des Landes und mit der Fähre aus Deutschland schnell erreicht: entweder ab Puttgarden auf Fehmarn (nach Rødbyhavn, Lolland) oder ab Rostock (nach Gedser, Falster).

Für mich ist es das zweite Mal, dass ich dänische Luft schnuppern werde. Das erste Mal ist allerdings schon eine Zeit lang her und es reichte nur für einen Tagesausflug mit der Fähre. Jetzt wird es länger sein – volle zwei Wochen lang das Land um meinen Ausgangspunkt Marielyst bzw. Bøtø By herum genießen, neue Eindrücke bekommen und daheim einfach mal ganz weit weg lassen.

Gedser liegt nur wenige Minuten Fahrzeit von Bøtø By entfernt und ist insbesondere für seinen Fährhafen bekannt, den viele vor allem durch die Fährüberfahrt von Rostock aus kennen werden. Oftmals wird der Ort mit seinen knapp 750 Einwohnern schnell verlassen und die weitere Reise in Richtung Norden angetreten, ohne Gedser eine größere Beachtung zu schenken. Wer einfach weiterfährt, der verpasst einiges – zwar würde ich jetzt nicht behaupten wollen, dass Gedser einer dieser Orte ist, die man einfach gesehen haben muss. Aber wer ein paar Minuten oder auch Stunden Zeit hat, der kann in Gedser und der näheren Umgebung so manche positive Überraschung erleben.

Der Lystbådehavn

Westlich der Stadt befindet sich der Sportboothafen. Es mag zwar nur ein Hafen sein, aber wer wie ich das maritime Flair mag, der ist hier richtig. Vom großen Schotterparkplatz ist man in wenigen Metern am Rande des geschützten Beckens, in dem Segelschiffe und Motorboote unterschiedlichster Größen festgemacht haben. Einfach den Weg entlangschlendern, die Schiffe begutachten und ein kleines bisschen vom Fernweh und der Freiheit träumen. An der Nordseite des Hafens führt ein Graspfad bis zu aufgehäuften Steinen am Ufer der Ostsee, bis hin zu einem Steg, der mehrere Meter weit in das kühle Nass hereinragt. Hier kann man entweder gemütlich die Beine über dem Meer baumeln lassen oder aber über die dortige Leiter zum Schwimmen ins Wasser gelangen. Lagebedingt eignet sich der Hafen auch gut zum Genießen des Sonnenuntergangs.

Kleines Fischerboot im Sportboothafen von Gedser, Dänemark

Sonntag ist Bootstag

Nördlich vom Sportboothafen in Gedser - Badestelle in die Ostsee hinein

Nur wenige Meter entfernt vom Hafen

Nach Sonnenuntergang im Lystbådehavn Gedser, Dänemark

Nach Sonnenuntergang im Lystbådehavn Gedser

Die Innenstadt

Überragt werden die Häuser des Ortes von der 1915 eingeweihnten Kirche, deren Innendecke an einen umgedrehten Holzrumpf erinnert. Neben einer überschaubaren Anzahl an Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auch die eine oder andere gastronomische Einrichtung, wie zum Beispiel den Købmandsgaarden am nördlichen Ortseingang, einer Töpferei mit angeschlossenem Café und weiteren Dienstleistungen wie Fahrradverleih. Unweit des Eisenbahnmuseums Gedser Remise findet sich bei der Kirche noch das Toldcaféen mit interessanter Innendeko.

Die Kirche von Gedser

Die Kirche von Gedser

Blick in die Langgade im Ort Gedser auf Falster

Auf der Langgade in Gedser

Der Vandtårn

Vom alten Wasserturm in der Danmarksgade blickt man aus fast 19 Metern Höhe über den südlichsten Ort Dänemarks. Für ein geringes Entgelt besteht die Möglichkeit, den von 1912 bis 1966 genutzten Turm über Leitern und Treppen bis auf die obere Plattform zu besteigen. Dort, wo früher insgesamt 46 m³ Wasser gespeichert werden konnten, befindet sich nun eine Art kleines Museum mit Informationen über den Bau der Windkraftanlagen vor der Küste sowie den Turm selber. Jeden Dienstag im Sommer besteht die Möglichkeit, von 19 bis 21 Uhr auf den Turm zu gehen und sich von hier aus den Sonnenuntergang über der Ostsee anzusehen. Bei guter Wetterlage blickt man bis herüber nach Mecklenburg-Vorpommern.

Sonnenuntergang vom Wasserturm mit Blick über Gedser und die Ostsee

Sonnenuntergang vom Wasserturm

Strand von Gedser

Nur unweit vom Fähr- und Fischereihafen der Stadt liegt der Strand. Doch wer feinen Sand erwartet, der wird enttäuscht. Stattdessen ist er von Steinen in unterschiedlichen Größen, Farben und Formen gesäumt. Was des einen Leid ist, ist allerdings des anderen Freud: nach Stürmen lässt sich das eine oder andere Fundstück hier mit nach Hause nehmen – zum Beispiel Fossilien, Hühnergötter oder auch Bernstein. Alternativ kann man sich auch einfach an auf die Steine setzen, den Wellen zuschauen und der vorbeifahrenden Fähre auf ihren Weg nach Deutschland hinterherschauen.

Auf der Suche nach Hühnergöttern am Strand von Gedser

Auf der Suche nach Hühnergöttern

Blick zur Gedser Odde

Blick zur Gedser Odde

Gedser Fyr

Auf dem Weg zum Parkplatz an der Gedser Odde passiert man den örtlichen Leuchtturm. Mit seinem Dienstbeginn im Jahre 1802 zählt er zu den ältesten Leuchttürmen. Besichten kann man den Turm leider nicht, nur je nach Standort aus der näheren Umgebung von außen betrachten. Sein Feuer in 26 Metern Höhe kann in klaren Nächten aus bis zu 48 Kilometern Entfernung gesehen werden.

Der Leuchtturm von Gedser

Der Leuchtturm von Gedser

Die Gedser Odde

Gute drei Kilometer außerhalb von Gedser liegt die gleichnamige Odde und markiert nicht nur den südlichsten Punkt Dänemarks, sondern gleichzeitig auch von ganz Skandinavien. In einem alten Militärgebäude kann man sich über die Geschichte der Odde informieren – als besonders interessant empfand ich die Tafeln über Versuche von DDR-Bürgern, dem Regime durch die Flucht über die Ostsee nach Dänemark zu entkommen.
Über eine Treppe gelangt man zum Fuß der Steilküste, wo sich weitere, bereits ins Meer gestürzte ehemalige Bauten des Militärs befinden. Wer weniger an der Historie interessiert ist, der findet an der Odde viel Natur: je nach Jahreszeit große Vogelschwärme, je nach Wetter auch Bernsteine und mit etwas Glück auch versteinerte Fossilien.

Blick Richtung Gedser und dem Leuchtturm

Blick Richtung Gedser und dem Leuchtturm

Steilküste der Gedser Odde mit von der Ostsee gewonnenen Überresten der Militärgebäude

Vom Meer gewonnene Überreste der Geschütze

Stürmische Ostsee

Stürmische Ostsee

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