Unendliche Weiten im Schwarzwald

Der Schwarzwald – unendliche Weiten…

Unendliche Weiten, vom Oberrhein im Süden bis zum Kraichgau im Norden, 150 Kilometer lang und teilweise bis zu 50 Kilometer breit. Viel Platz für Entdeckungen in der Natur, für Aussichten und auch für Kulinarik, denn nirgends ist die Schwarzwälder Kirschtorte so original wie hier. Von umliegenden Städten ist die wichtigste Tourismusregion Baden-Württembergs schnell erreicht – die Fahrzeit von Karlsruhe aus beträgt je nach Ziel 30 Minuten oder weniger, der Wechsel von Stadt zu Land und Natur ist also fix geschehen.

So auch Anfang Dezember. Karlsruhe lag unter einer dicken Wolkendecke, die nun schon zwei, drei Tage anhielt und keine Anzeichen machte, sich alsbald zu verziehen. Es war Tag zwei für uns im Süden der Republik und die Sehnsucht nach Sonne war groß: das Wolkenradar zeigte Wolken über Karlsruhe, Wolken über der Umgebung – doch nicht über dem Schwarzwald. Das Ziel stand also fest: auf Richtung Sonne, die wärmenden Strahlen nach den dunklen Tagen zuvor spüren und Vitamin tanken.

Der Weg dorthin war schnell gefahren, ab auf die A5, durch Baden Baden und schon führten die Straßen nach oben, hindurch durch die Wolkengrenze. Erstes Ziel: der Geroldsauer Wasserfall beim gleichnamigen Ort, auf einer Höhe von 285 bis 291 Metern über Normalhöhennull (NHN). Es ist kalt, Raureif hat sich gebildet und überzieht Holzgeländer, Wege und Pflanzen. Wälder begrenzen den Sonnenschein im Winter auf ein Minimum, nur wenige Sonnenstrahlen fallen bis zum Wasserfall herab und lassen die Umgebung im Schatten liegen, Temperaturen von leicht unter 0 Grad tragen ihr übriges hierzu bei. Dass der Wasserfall bei diesen Voraussetzungen nicht unbedingt das Traumziel von Ausflüglern ist liegt auf der Hand, ebenso dass die nahegelegene Waldgaststätte Bütthof je nach Wochentag geschlossen oder eingeschränkte Öffnungszeiten hat.

Geroldsauer Wasserfall

Geroldsauer Wasserfall

In der Nähe der Waldgaststätte

In der Nähe der Waldgaststätte

Genug in der schattigen Kälte unterwegs gewesen – wenn die Sonne schon ihre kostbaren warmen Strahlen verteilt, dann sollen sie auch schließlich genutzt werden. Über die B500 – die Schwarzwaldhochstraße – sind es gute 25 Minuten Fahrzeit zum Mummelsee, die bei tollen Aussichten schnell zurückgelegt sind. Schon vor Erreichen des eigentlichen Ziels bieten Haltebuchten Möglichkeiten an, die Aussicht zu genießen – in Blickrichtung Süden blickt man weit über die niedriger gelegenen Hügel des Schwarzwaldes, in dessen Tälern sich an diesem Tag die Wolken nur so verfangen.

Blick über die wolkenverhangenen Täler in Richtung Süden

Blick über die wolkenverhangenen Täler in Richtung Süden

Von den Geroldsauer Wasserfällen aus sind wir mittlerweile auf ungefähr 1.028 Meer über NHM angestiegen. Die höchste Erhebung des Nordschwarzwaldes, die Hornisgrinde mit 1.164 Metern über NHM, wäre von hieraus nach kurzem Fußmarsch erreicht. Rad- und Wanderwege führen vom Berghotel Mummelsee auf den Gipfel und zum dortigen Bismarckturm. Wer mag, kann auch einmal um den bis zu 17 Metern tiefen See spazieren, der im Winter von einer Eisschicht bedeckt wird und im Sommer mit Tretbooten befahren werden kann.

Vor vielen Jahren war ich sogar tatsächlich schon einmal hier. Viel in Erinnerung geblieben ist mir davon allerdings nicht, ich erinnere mich zwar noch an den See, aber auch an die klassischen Schwarzwaldsouvenirs wie Kuckucksuhren und Schinken. Den Laden von damals gibt es noch immer. In einer Holzhütte am Parkplatz werden nicht nur Andenken verkauft, sondern auch mehrmals täglich frisches Holzofenbrot gebacken – ein Anlaufpunkt für in- und ausländische Besucher des Sees.

Blick vom Mummelsee zur Hornisgrinde mit Bismarckturm (links)

Blick vom Mummelsee zur Hornisgrinde mit Bismarckturm (links)

Bevor die Sonne hinter den Bergen versinkt und damit auch die warmen Strahlen verschwinden, treten wir die Weiterfahrt auf der Schwarzwaldhochstraße an. Allerdings nur ein paar Kilometer lang. Dann löst eine kurvenreiche Kreisstraße die gut ausgebaute Bundesstraße ab und führt mal mehr, mal weniger steil bergab. Nach wenigen Minuten und einer nun erreichten Höhe von 530 Metern über NHM heißt es wieder: raus aus dem Auto und ab in die Natur. Vor uns liegen die Allerheiligen-Wasserfälle bei Oppenau.

In einer langgezogenen Schlucht plätschert der Lierbach hinab und überwindet auf mehreren Stufen verteilt eine Gesamthöhe von 66 Metern. Über einen Weg mit vielen Treppenstufen gelangt man bis zum oberen Teil der Wasserfälle, die zu den höchsten im Schwarzwald zählen. Wärmende Sonnenstrahlen sind stellenweise Mangelware und halten im Winter vielleicht auch den einen oder anderen Besucher ab, verpassen dem Ort aber eine ansprechende Natürlichkeit. Die Natur hat die Oberhand, was den Geräuschpegel angeht. Nur das Wasserrauschen ist zu hören, ab und an zwitschert ein Vogel, der Wind streicht durch die Baumwipfel. So bekannt der Schwarzwald auch ist, hier ist man derzeit ziemlich alleine unterwegs.

Eine der Stufen der Allerheiligen Wasserfälle

Eine der Stufen der Allerheiligen Wasserfälle

Allerheiligen Wasserfälle

Allerheiligen Wasserfälle

Weniger alleine dagegen sind wir dann später auf dem Rückweg nach Karlsruhe. Die Aussichtspunkte der B500 haben mich schon auf dem Hinweg in den Bann gezogen. Blicke bis zu den entfernten Hügeln des Schwarzwaldes und der Vogesen, scheinbar greifbar nahe, doch per Straße dann nicht mehr so schnell erreicht. Unweit des Mummelsees findet unsere Rückfahrt ein jähes Ende – in Kürze wird die Sonne vom Himmel herab verschwinden und die wenigen vorhandenen Wolken in ein angenehmes rot verzaubern, während die Täler immer dunkler werden.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu richtigen Wetterbedingungen – die Kälte des Tages ist plötzlich wie weggeblasen, stattdessen ertappe ich mich dabei, wie ich zufrieden und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen dem Sonnenuntergang entgegen blicke.

Sonnenuntergang über Seebach

Sonnenuntergang über Seebach

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