Unterwegs durch Ahrweiler auf zwei Wegen (Teil 1)

Das Ahrtal – irgendwie hatte ich es noch nie so wirklich beachtet und selten auf dem Schirm gehabt. Grund genug, es endlich einmal zu entdecken. Ungefähr 250 Kilometer, weniger als drei Stunden Fahrzeit – gute Voraussetzungen, um den Weg mit dem Auto nach Bad Neuenahr anzutreten. Bei Ankunft in Bad Neuenahr am Nachmittag spielte das Wetter mit, angenehme Temperaturen empfingen mich in Rheinland-Pfalz. Auf dem Weg zum Eingang des Dorint Parkhotel Bad Neuenahr dachte ich noch die falsche Jackenwahl getroffen zu haben, doch die kommenden beiden Tage bei Temperaturen um 5°C sollten mich vom Gegenteil überzeugen. Das Wochenende unter dem Motto “Wein und Wellness” konnte also beginnen.

Nach Ankunft im Hotel und den ersten Blick auf die Ahr sowie den Dahliengarten vom Balkon aus wird mir erst bewusst, dass ich tatsächlich wieder in Rheinland-Pfalz angekommen bin: dort hinten, hinter der Ahr und den Häusern des Ortes befinden sich die Weinberge – für mich das untrügliche Zeichen, wieder in RLP zu sein.

Blick in den Dahliengarten und auf die Ahr vom Balkon aus

Blick in den Dahliengarten und auf die Ahr vom Balkon aus

Das Thema “Wein” wird an diesem Wochenende übrigens noch eine große Rolle spielen – liegt Bad Neuenahr doch im größten geschlossenen Weinanbaugebiet für Rotwein in Deutschland. Hiervon zeugt auch der Rotweinwanderweg, der auf über 35 Kilometern von Bad Bodendorf bis Altenahr durch die Weinberge führt. Eine erste Kostprobe gab es beim gemeinsamen Abendessen unserer Reiseblogger-Gruppe, wobei ich mich dann doch aus gewohnter Weise für den Weißwein entschied und den Rotwein zunächst links liegen gelassen habe.

Später am Abend sollte es dann die erste Bekanntschaft mit Bad Neuenahr geben – wenige hundert Meter entlang an der beruhigend daherplätschernden Ahr und schon erreicht man die Spielbank im Kurhaus der Stadt. Neben Roulette und Poker werden auch Black Jack angeboten. Für mich war es mein erstes Mal in einer Spielbank, weswegen ich mich zunächst zurückhaltend verhalten habe und erst nach mehreren Runden zuschauen den Mut fand, insgesamt 20 € als Einsatz im Black Jack zu verspielen. Schlechte Erinnerungen an diesen Abend werde ich nicht haben – mit 40 € (und damit verdoppeltem Einsatz) verließ ich das Casino am späten Abend wieder, um für den nächsten Tag fit zu sein.

Dieser beginnt mit einer Stadtführung durch den Stadtteil Ahrweiler. Umrahmt ist die sehenswerte Altstadt von der vollständig erhaltenen Stadtbefestigung (die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde) mit ihren vier großen Stadttoren. Entlang der südlichen Mauerlinie ging es für uns vom Ahrtor bis zum Niedertor, von dort aus dann wieder in die historische Innenstadt um sich im “Kleinen Caféhaus” aufzuwärmen und die Regenwolken ein wenig weiterziehen zu lassen.

In der Altstadt Ahrweilers

In der Altstadt Ahrweilers

Blick durch das Ahrtor

Blick durch das Ahrtor

Verteidigungsturm im Süden der Stadtmauer

Verteidigungsturm im Süden der Stadtmauer

Der Mauerspäher am Niedertor

Der Mauerspäher am Niedertor

Niederhutstraße in Ahrweiler

Niederhutstraße in Ahrweiler

...aus schlechtem Wetter das beste machen!

…aus schlechtem Wetter das beste machen!

Während wir eine Pause bei Latte Macchiato, heißer Schokolade und Co im “Kleinen Caféhaus” machen einige Informationen über Ahrweiler: der rund 7.500 Einwohner zählende Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler hat seine Wurzeln bereits in der Zeit vor Christus, was durch Funde belegt werden kann die den Kelten zugeordnet werden können. Aus dem 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus stammt die Römervilla am Silberberg und kann heute besichtigt werden. Eine erste urkundliche Bezeichnung des Ortes ist für das Jahr 893 im Güterverzeichnis der Benedektinerabtei Prüm nachgewiesen. 1248 bekam Ahrweiler die Stadtrechte verliehen, zwei Jahre später begann der Bau der bereits angesprochenen Stadtmauer. 1269 wurde der Grundstein der St. Laurentius-Pfarrkirche gelegt, der größten Hallenkirche des Rheinlandes. Im Jahre 1852 wurde der Apollinarisbrunnen entdeckt, dessen Wasser auch heute noch als Apollinaris-Mineralwasser im Handel zu finden ist.

In der Altenbaustraße, unweit des Markplatzes und der St. Laurentius-Pfarrkirche, befinden sich gleich zwei historische Gebäude: der Weiße Turm aus dem 13. Jahrhundert, das älteste Gebäude der Stadt Ahrweiler. Zunächst fungierte er als Wohnturm, später wechselte seine Funktion vom Verwaltungsgebäude (mit kleiner Kapelle) für Weingüter zum Museum. Gegenüber errichtete 1894 die jüdische Gemeinde ihre Synagoge, die während der Novemberpogrome 1938 geschändet wurde und 1939 an einen Geschäftsmann verkauft wurde. 1945 enteigneten die amerikanischen Besatzungsmächte den Besitzer und verkauften die Synagoge 1955 an die Raiffeisengenossenschaft, die sie als Warenlager und Verkaufsraum nutzte. 1981 wurde der drei Jahre zuvor gegründete Bürgerverein Synagoge e.V. neuer Eigentümer des Gebäudes.

Nach all der Kultur und ersten Blicken auf die Innenstadt Ahrweilers ging es zu “Bell’s WeinRestaurant und BierGarten” – Kräfte sammeln, Akkus laden, Eindrücke auf Facebook, Twitter und Instagram teilen und ganz wichtig: Mittag essen! Aus Zeitgründen mussten wir uns leider ein wenig zeitoptimiert von der für uns zusammengestellten Karte entscheiden – mein Objekt der Begierde war schließlich ein “Schweineschnitzel Wilddieb mit hausgemachter Champignonrahmsauce”. Zeitoptimiert deshalb, weil in gut einer Stunde der nächste Programmpunkt anstand: die Führung “in vino veritas” – “im Wein liegt die Wahrheit”. Was sich hinter dieser Führung verbirgt, das erfahrt ihr im nächsten Artikel über Ahrweiler.

St. Laurentius und Marktplatz

St. Laurentius und Marktplatz

Innenraum der Pfarrkirche

Innenraum der Pfarrkirche

Am Weißen Turm

Am Weißen Turm

Schweineschnitzel Wilddieb

Schweineschnitzel Wilddieb

Vielen Dank an Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. sowie die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH für die Einladung zu dieser Reise. Alle Erlebnisse bleiben hiervon unberührt. 

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