Auge in Auge mit den großen Schiffen in Cuxhaven

Lange Spaziergänge am Strand, verträumte Blicke aufs Meer und die damit verbundene Weite des Wattenmeeres, die hinterm Horizont versinkende Sonne am Abend – Dinge, die für einen typischen Nordseeurlaub stehen. Cuxhaven im Norden Niedersachsens kann da noch eine Schippe drauflegen und verzückt die Meeresliebhaber mit einer großen Anzahl an großen und kleinen Schiffen, die teilweise fast zum Greifen nahe am Strand entlang fahren. Besondere Eindrücke hinterlassen die großen Pötte, wenn sie Cuxhaven auf ihrem Weg von oder nach Hamburg passieren und man vom Deich aus die schiere Größe erblickt. Zum Bestaunen gibt es mehrere Plätze, doch so richtig erfassen kann man die Größe erst wenn man sich möglichst nah an der Fahrrinne befindet.

Möglichkeit 1: Seebäderbrücke

Eine Möglichkeit hierfür ist die alte Seebäderbrücke. Von April bis Oktober erhält man täglich zwischen 10.00 und 19.00 Uhr Informationen über alle vorbeifahrenden Schiffe durch den Schiffsansagedienst Cuxhaven. Der Zugang zur Seebäderbrücke ist meines Erachtens etwas versteckt und liegt unweit des Wohnmobilstellplatzes am Yachthafen der Segler-Vereinigung Cuxhaven. Eine zeitliche Beschränkung liegt soweit erkennbar nicht vor, sodass man auch gegen Mitternacht – wenn so manches Kreuzfahrtschiff die Stadt passiert – problemlos interessierte Blicke auf die Schiffe werfen kann. Alleine ist man hier auf der Seebäderbrücke selten, neben Besuchern sind auch öfters Schiffsspotter anzutreffen, die zudem den einen oder anderen Tipp parat haben. Die Fahrzeit von Hamburg bis nach Cuxhaven kann bei den großen Schiffen durchaus schon mal drei bis vier Stunden dauern, je nach Tiefgang und Tideverhältnissen.

"Emma Maersk" an der Seebäderbrücke

“Emma Maersk” an der Seebäderbrücke

Begegnung auf der Elbe (Aufnahme mit 75mm - man kommt also wirklich nah ran!)

Begegnung auf der Elbe (Aufnahme mit 75mm – man kommt also wirklich nah ran!)

Auch auf einer vielbefahrenen Schifffahrtsstraße gibt es mitunter mal Zeiten, in denen in der nächsten halben Stunde kein Boot vorbeikommt. Mit etwas Glück haben jedoch auf der anderen Seite – im Yachthafen – ansehnliche Schiffe festgemacht. Nicht nur aus Deutschland oder vom hiesigen Verein, sondern auch aus dem internationalen Raum liegen an so manchem Tag hier am Steg.

Grönlandkutter "Islaborg" im Yachthafen

Grönlandkutter “Islaborg” im Yachthafen

Bugdetail der Yacht "Earl Grey"

Bugdetail der Yacht “Earl Grey”

Möglichkeit 2: Alte Liebe

Nur wenige hundert Meter von der Seebäderbrücke entfernt ist der Ort, den man vermutlich am ehesten mit Cuxhaven verbindet: die Alte Liebe. Die Alte Liebe ist eine zweistöckige Plattform an der Elbe und benannt nach einem hier versenkten Schiff namens “Olivia”. Die “Olivia” wurde von den Einheimischen nur “Oliv” genannt, was dem plattdeutschen Begriff für “Alte Liebe” ähnelte. Heute starten von der Alten Liebe Ausflugsschiffe zu den Seehundsbänken, nach Helgoland und Neuwerk. Durch den Bekanntheitsgrad des Bauwerks tummeln sich hier deutlich mehr Besucher als an der Seebäderbrücke, dem Anblick auf die vorbeifahrenden Schiffe tut dies aber kaum einen Abbruch. Wie schon zuvor sind auch hier die Durchsagen des Schiffsansagedienstes zu hören, sodass man immer über die ein- und ausfahrenden Frachter informiert ist.

Highspeed-Katamaran auf dem Weg nach Helgoland

Highspeed-Katamaran auf dem Weg nach Helgoland

Blick von der Alten Liebe auf die Elbe

Blick von der Alten Liebe auf die Elbe

Möglichkeit 3: Kugelbake

Ein ebenso guter Ort zum Beobachten der Schiffe ist an der Kugelbake, auf deren Mauer am Fundament man sich hinsetzen und die Beine baumeln lassen kann. Während man hier gemütlich sitzt und die Momente genießt, wandern die Blicke unweigerlich zum Horizont, um frühzeitig das nächste große Schiff zu erspähen. Zudem kommt man von allen hier genannten Möglichkeiten den Pötten von der Kugelbake aus am nächsten. Besonders eindrucksvoll sind die Wellen, die den Schiffen in einigem Abstand folgen. Bei Flut zerschellen diese nur knapp unterhalb des eigenen Sitzplatzes an den Wellenbrechern und demonstrieren die Kraft von Mensch und Natur.
Tipp: Etwas zu Essen und Trinken einpacken, je nach Außentemperaturen eine warme Decke und während des Sonnenuntergangs am Fuße der Kugelbake sitzen und die Stimmung genießen, wenn sich der Himmel langsam rötlich verfärbt und nur noch das leise Brummen der Dieselmotoren zu hören ist.

Schiffe gucken an der Kugelbake

Schiffe gucken an der Kugelbake

Möglichkeit 4: Wattenmeer

Das für mich schönste Erlebnis zum Schiffe schauen ist definitiv das Wattenmeer vor Duhnen und Döse. Zwar ist man von hier aus eine gefühlte Ewigkeit von der Schifffahrtsrinne entfernt, doch barfuss durch den Schlick zu laufen, zu spüren wie das Watt sich durch die Zehenzwischenräume presst und durch die warmen Salzwasserpfützen zu spazieren, das ist einfach Nordsee pur. Wichtig: sich vor Abmarsch über die aktuellen Gezeiten informieren und weder sich noch das Wasser überschätzen. Priele sollten vermieden werden, denn diese füllen sich bei auflaufendem Wasser zuerst und können nicht nur einen weichen Untergrund haben, sondern auch eine starke Strömung aufweisen. Auch zu beachten sind die Entfernungen – auf Grund fehlender Fixpunkte fällt es schwer, die Länge von Strecken einzuschätzen. Vom Strand in Duhnen bis zur Mauer, die das Wattenmeer vom Fahrwasser der Elbe trennt, sind es gut und gerne eine halbe Stunde bis dreiviertel Stunde Fußmarsch.

Beachtet man diese Hinweise, so ist das Wandern und gleichzeitige Beobachten der Schifffahrtswege kein Problem und ein angenehmes Erlebnis, zumal man die Weite des Wattenmeeres oft auch alleine genießen kann- überlaufen ist es bereits ein paar Meter vom Strand entfernt selten.

Abgrenzung vom Wattenmeer vor Cuxhaven und der Fahrrinne der Außenelbe

Abgrenzung vom Wattenmeer vor Cuxhaven und der Fahrrinne der Außenelbe

Möglichkeit 5: Fahrt zu den Seehundsbänken mit Hafenrundfahrt

Ganz nah heran kommt man natürlich, wenn man selber ein Teil der Schifffahrt wird. Im Hafen an der Alten Liebe starten Rundfahrten durch den Hafen, zu den Inseln Helgoland und Neuwerk sowie zu den Seehundsbänken. Welche Reederei man hierfür nimmt ist jedem selber überlassen. An- und Abwerbeversuche der Konkurrenten sind hier ebenso alltäglich wie man es vielleicht von den Landebrücken in Hamburg kennt, mit etwas Geschick kann man hierbei aber auch ein Schnäppchen machen. Die Route der verschiedenen Anbieter dürfte nahezu identisch sein – die NARG fuhr mit uns an diesem Tag durch die verschiedenen Häfen bis hin zur Kugelbake, quer über die Elbe zu den Seehundsbänken und wieder zurück Richtung Anleger.

Mit etwas Glück schneidet sich der Weg zu den Seehundsbänken mit denen der großen Pötte, die sich gerade auf ihren Weg in die weite Welt hinaus machen – näher als hier wird man an Land definitiv nicht kommen.

Von welcher der fünf Möglichkeiten man schließlich während seines Urlaubs in Cuxhaven die riesigen Stahlkolosse beobachten möchte, bleibt einem selber überlassen. Vielleicht findet man auch noch eine andere schöne Ecke beim Radfahren entlang der Küste. Falls dem so ist – einfach in die Kommentare posten :)

Fahrt durch den Lotsenhafen

Fahrt durch den Lotsenhafen

Ganz nah dran auf der Elbe vor Cuxhaven

Ganz nah dran auf der Elbe vor Cuxhaven

 

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